In den nächsten Jahrzehnten findet der größte Kapitaltransfer der Geschichte statt: Allein in den USA werden bis über 100 Billionen $ von der Baby-Boomer-Generation an die Next Gen weitergegeben. Doch mit dem Vermögen ändern sich auch die Anlagepräferenzen fundamental. Während Crypto für die ältere Generation oft ein Randthema bleibt, ist es für junge High Net Worth Individuals (HNWIs) bereits die zweitstärkste Assetklasse.
In dieser Folge analysieren wir auf Basis aktueller Studien von der Bank of America, McKinsey, Fidelity, CFA Institut, Capgemeni und einigen weiteren, wie dieser „Great Wealth Transfer“ den Cryptomarkt langfristig verändern wird.
Im zweiten Teil besprechen wir die strategischen Konsequenzen für die Finanzbranche: Warum riskieren Vermögensverwalter aktuell den Verlust von bis zu 80 % ihrer Kunden? Weshalb ist eine Anti-Crypto-Haltung heute ein existentielles Geschäftsrisiko? Und wie können sich Berater und Investoren positionieren, um von dieser Umschichtung zu profitieren?
Anton: In den nächsten Jahrzehnten wird ein Großteil des bestehenden Kapitals auf der Welt weitergegeben, von der Babyboom-Generation an die jüngeren Generationen. Diesen Vorgang nennt man den großen Vermögenstransfer. Aber es wird nicht nur Vermögen übertragen, es ändern sich auch die Anlagepräferenzen, denn die neue Generation tickt gänzlich anders als die bestehende alte Generation. Und heute wollen wir uns eine Reihe von Studien und Reports anschauen, um besser einzuordnen, wie diese neue Generation von Investoren wirklich tickt, worauf sich die Branche einstellen muss und, was uns natürlich besonders interessiert, welche Rolle Krypto dabei spielt. Diese Folge ist nicht nur relevant für all jene, die Kapital professionell für Dritte anlegen, also Vermögensverwalter, Asset Manager und dergleichen, sondern auch für alle Investoren, die langfristig in Krypto allokiert sein möchten. Martin, starten wir rein.
Martin: Genau. Das Erste, was wir kurz zeigen wollen, das wurde, glaube ich, von der Fed veröffentlicht, diese Zahlen: 156 Billionen Dollar an privatem Vermögen gibt es in den USA, und die Hälfte davon, in etwa 80 Billionen, befindet sich in der Babyboom-Generation. Der Rest ist dann auf die anderen Generationen verteilt. Das heißt, die Hälfte des Vermögens ist in der Hand der Babyboomer-Generation. Vielleicht noch zur Einordnung dieser ganzen Generationen: Die Babyboom-Generation sind die, die älter als 60 sind. Die Generation darunter ist die Gen X, die ist von etwa 45 bis 60. Darunter sind dann die Millennials, die zwischen 30 und 45 sind, und dann die Gen Z, die Jüngsten, so zwischen 15 und 30. Nur kurz zur Einordnung. Das heißt, da ist jede Menge Geld in der Hand der Babyboomer-Generation. Und eine andere Studie von Cerulli vom Dezember 2024 nennt eine leicht andere Zahl: rund 124 Billionen Dollar werden bis 2048 in neue Hände gegeben, eben an die neuen Generationen weitergereicht. Und eine Grafik, die wir jetzt einblenden, zeigt ganz gut, wohin das Vermögen gereicht wird. Da sieht man, der größte Block sind die Babyboomer mit ungefähr 80 Billionen, davon geht in etwa die Hälfte zur Gen X, also den 45- bis 60-Jährigen, und ungefähr die Hälfte an die Millennials und auch an noch jüngere Generationen. Das ist natürlich nicht ganz eins zu eins aufzuschlüsseln.
Anton: Die nächste Studie ist von McKinsey, und die haben etwas sehr Ähnliches herausgefunden. Bis 2035 gehen sie davon aus, dass in Summe 22 Billionen weitergereicht werden, wovon 14 Billionen an die Gen X gehen, also die 45- bis 60-Jährigen, und 8 Billionen an die Millennials. Im Vergleich zu den Zahlen, die du gerade gezeigt hast, weicht das absolut natürlich ab, der Split ist aber ungefähr der gleiche. Die Abweichung kommt daher, dass McKinsey sich das bis zum Jahr 2035 anschaut, deine Zahlen gehen weiter bis 2048. Das Bild ist aber am Ende des Tages das gleiche.
Martin: Als Nächstes haben wir einen Family Wealth Transfer Report von 2024 von Altrata. Da sieht man eine Grafik, wo das geografisch schöner verteilt wird. Das sind wohlgemerkt Investoren beziehungsweise Privatpersonen, die mehr als 5 Millionen Nettovermögen haben, also wirklich High Net Worth Individuals, und davon gibt es in Europa etwa 270.000, die in Summe 7 Billionen Dollar besitzen und weiterreichen werden. Die Zahlen, die wir zuerst genannt haben, von der Federal Reserve, von Cerulli, von McKinsey, die beziehen sich auf die USA. Aber das Thema Generationen- beziehungsweise Vermögenstransfer ist ein globales Thema.
Anton: Ja, auch in Europa hat die Babyboomer-Generation einen Großteil des bestehenden Vermögens, und auch hier altert diese Generation und wird das Kapital weitergeben. Teilweise wird das schon zu Lebzeiten an die Jüngeren weitergereicht, oder zumindest ein Teil. Da gibt es ganz unterschiedliche Ausformungen, deswegen sind diese Zahlen auch sehr unterschiedlich, wo, wie und wann das Geld weitergereicht wird. Das Wichtigste ist einfach: Die alternde Generation hat sehr viel Geld, das in den nächsten 10 bis 20 Jahren weitergereicht wird. Das ist die wichtigste Aussage aus all diesen Studien.
Anton: Lass uns jetzt zum zweiten Block der Studien kommen, und da geht es primär darum: Wie unterscheiden sich die jüngeren Generationen von der Babyboom-Generation? Anders formuliert: Wenn dieses Kapital jetzt weitergereicht wird, was für eine Erwartungshaltung und was für Anlagepräferenzen sind dann plötzlich an dieses Kapital gebunden, und wie weit divergiert das vom Status quo? Und hier vielleicht eine ganz spannende Studie, mit der wir gleich anfangen können: Bank of America. Die haben 2024 eine Umfrage gemacht unter High Net Worth Individuals und diese in zwei Kategorien geteilt: die junge Generation, 21 bis 43, und die ältere Generation, 44 plus. Und grundsätzlich unterscheiden sich die Anlagepräferenzen hier sehr stark. Uns interessiert natürlich speziell das Thema Krypto. Das ist bei der älteren Generation mit 4 %, die in dieser Asset-Klasse veranlagen, ein Randthema. In der jüngeren Generation ist es aber die zweitstärkste Asset-Klasse mit 28 %. Also hier ein Multiple von rund sechs als Differenz, das ist schon eine sehr starke Aussage, wie unterschiedlich die Anlagepräferenzen in puncto Krypto gelagert sind. Und das geht natürlich auch darüber hinaus, grundsätzlich kann man sagen, die jüngere Generation ist viel offener gegenüber allen Themen rund um alternative Assets.
Martin: Dann das hier ist eine Studie vom CFA Institute, von der CFA Society, recht neu, von 2026, mit dem Titel "Next Gen Investors: A Guide for Wealth Managers and Financial Advisors". Hier sind ein paar Aussagen drin. Da wurden 2.400 High Net Worth Individuals beziehungsweise Mass Affluent, das sind wohlhabende Privatpersonen, und Ultra High Net Worth Individuals befragt. Hier sind zwei ganz interessante Grafiken beziehungsweise Tabellen versteckt. Diese Grafik zeigt die Investoren, die bereits investiert sind, und in was sie investieren. Und da sieht man zum Beispiel die Gen Z und Millennials, also die unter 45-Jährigen, noch mal zur Einordnung: Da investieren 48 % von dieser Generation in Krypto. Und da wird unterschieden zwischen Gen Z und Millennials in Anführungszeichen "normal", also diese wohlhabenden Personen, und dann die High Net Worth Individuals. Bei beiden sieht man einen sehr hohen Anteil, die in Krypto investieren, gleich nach Mutual Funds und Lebensversicherungen. Und das ist auch eine wichtige Zahl, weil man manchmal hört, dass in Krypto vor allem die Jungen investieren, die schnell zu Geld kommen wollen, weil sie wenige Chancen sehen, sich eine Wohnung leisten zu können. Nein, das sind auch High Net Worth Individuals, die Krypto hier sehr hoch einordnen. Und im Vergleich sieht man hier unten die Babyboomer-Generation beziehungsweise die Gen X mit deutlich niedrigeren Werten, also 26 % versus 48 % bei den wohlhabenden Personen und 33 % versus 50 % bei den Ultra High Net Worth Individuals. Und die nächste Grafik zeigt quasi die geplanten Investments in der Zukunft. Und hier ist Krypto überhaupt auf der ersten Stelle. Das heißt, 47 beziehungsweise 50 % der befragten Wohlhabenden und Ultra High Net Worth Individuals planen, in Krypto zu investieren, sogar vor Mutual Funds und Real Estate.
Anton: Gut, dann kommen wir zur nächsten Studie. Diese wurde von Galaxy Research publiziert, sie nennt sich "The Great Wealth Transfer and Crypto", man muss dazusagen, Galaxy ist ein Crypto-Investment-Unternehmen. Diese Studie wurde 2023 veröffentlicht, und was wir uns hier anschauen wollen, ist, wie stark die unterschiedlichen Generationen eigentlich in Krypto allokiert sind. Und das sieht man hier ganz gut: Babyboomer tatsächlich nur eine Durchdringung von 6 %. Geht man jetzt in die jüngeren Generationen, sieht man ein ganz klares Bild: Je jünger die Generation, desto stärker das Investment in Krypto. Und wenn man jetzt einfach nur die Millennials und die Gen Z hernimmt, ist man im Endeffekt bei einem Faktor von fünf im Vergleich zu den Babyboomern. Das heißt, für einen Babyboomer, der in Krypto investiert, kommen fünf Investoren aus der jüngeren Generation. Und das zeigt auch wieder sehr deutlich, wie unterschiedlich die Investmentpräferenzen in Sachen Krypto in den unterschiedlichen Generationen gelagert sind.
Martin: Und das ist nicht eine Umfrage, sondern das sind wirklich die Ist-Zahlen von verschiedenen Investment-Plattformen, dieser Faktor.
Anton: Ja, das deckt sich auch mit allen anderen Umfragen. Dann der nächste Report, eine Studie von Charles Schwab, wo es um ETF-Investoren und deren Präferenzen geht. Und da haben wir auch einige interessante Zahlen und Grafiken. Die erste Grafik sehen wir hier: In welche Assetklassen planen ETF-Investoren über ETFs zu investieren? An erster Stelle sind hier Aktien mit 55 %, und an zweiter Stelle bereits Krypto, mit 45 % der befragten ETF-Investoren von Charles Schwab, die planen, über ETFs in Krypto zu investieren. Vielleicht nur zur Erinnerung: Krypto-ETFs gibt es de facto erst seit gut drei Jahren, jetzt im dritten Jahr. Und die zweite Grafik, die wir hier teilen wollen, ist ähnlich: Von den befragten Investoren, die in unterschiedliche Assetklassen investieren möchten, wie verteilt sich das auf die Generationen? Auch hier ein ähnliches Bild: 62 % der befragten Millennial-ETF-Investoren planen, in Krypto zu investieren, 44 % der Gen X und nur 15 % der Boomer-Generation. Das heißt, auch hier deckt es sich mit allen anderen Studien: Jüngere Investoren investieren überproportional stark beziehungsweise überproportional häufig in Krypto.
Martin: Der nächste Report ist von Fidelity, einem der größten Asset Manager der Welt. Die haben auch einen eigenen Digital-Assets-Arm, der Report nennt sich "Institutional Investor Digital Assets Study – Key Findings", und die haben sich genauer angeschaut, wie die Wahrnehmung von Crypto Assets in den unterschiedlichen Generationen ist. Und auch hier sind die Aussagen sehr eindeutig.
Anton: Martin scrollt hier hin. Genau. Wir konzentrieren uns jetzt einmal auf den oberen Teil der Grafik. Was man hier im Endeffekt sieht, ist, wie in den unterschiedlichen demografischen Gruppen Krypto wahrgenommen wird. Wir wollen uns jetzt auf die unteren vier Zeilen konzentrieren, Martin, wenn du vielleicht dorthingehst, ja, super. Da sieht man eigentlich ganz deutlich, dass die jüngere Generation Krypto gegenüber sehr positiv und aufgeschlossen ist, 64 %, das sieht man hier ganz deutlich in Grün. Das Bild wendet sich aber massiv, je älter die Generation ist. Wir gehen in die letzte Zeile, also die über 65-Jährigen, die sind Krypto gegenüber extrem negativ eingestellt, über 70 % assoziieren hier etwas Negatives mit Krypto und sind anti Krypto. Das heißt, auch hier sieht man ganz klar, wie unterschiedlich die Präferenzen und die Interessenlage bezüglich Krypto geartet sind.
Martin: Gut, als Nächstes haben wir einen Wealth-Management-Report von Capgemini. Und zwar ist der vor allem wichtig für alle Vermögensverwalter, nämlich: 81 % der High Net Worth Individuals wechseln innerhalb von ein bis zwei Jahren, nachdem sie das Erbe übernommen haben, ihren Vermögensverwalter. Das ist eine krasse Aussage, wenn man drüber nachdenkt, vier von fünf. Wieso ist das so? Die Gründe werden hier später angeführt. Hier sind die Gründe versteckt. Warum wechseln diese High Net Worth Individuals ihren Vermögensverwalter? Als erster Grund, 46 % sagen, dass sie nicht die präferierten Kanäle bedienen, vor allem digitale Kanäle, die sie vielleicht durch Neobanken oder Neobroker bereits gewohnt sind. Und 33 % sagen, dass sie keinen Zugang zu alternativen Investments generell anbieten.
Anton: Worunter dann natürlich auch Krypto fällt, aber nicht nur Krypto, sondern auch Private Equity, Venture Capital etc. Das heißt, mit anderen Worten, es reicht nicht, wenn man nur ein Aktien-Anleihen-Portfolio anbietet. Den Jungen ist das nicht genug. 33 % sagen, das ist der Grund, warum sie den Vermögensverwalter der Eltern wechseln, sobald sie die Handhabe über das Vermögen haben.
Martin: Und Cerulli hat etwas sehr Ähnliches herausgefunden. Die haben sich wiederum auf den amerikanischen Markt konzentriert, und auch dort ist es so, dass 72 % aller befragten High Net Worth Individuals nach Übernahme des Erbes ihre Financial Advisors kicken, also im Endeffekt woanders hingehen, wo sie sich besser aufgehoben fühlen.
Anton: So, und im nächsten Teil schauen wir uns speziell die Sicht von Institutionen an, von Wealth Managern, Asset Management, Institutional Investors, mit anderen Worten vor allem diejenigen, die das Kapital von Kunden verwalten. Und hier ist eine Umfrage aus den USA, recht frisch, vom Januar 2026, dazu, wie Financial Advisors in den USA bei deren Kunden mit Krypto umgehen. Wir wechseln auf die Key Findings dieser Umfrage. 32 % der Financial Advisors haben angegeben, dass sie bereits für ihre Kunden Krypto allokiert haben. Das ist von zuvor 22 % deutlich angestiegen, das ist ein All-Time-High in der Durchdringung der Endkunden durch die Vermögensverwalter beziehungsweise Vermögensberater. Von den Vermögensberatern selbst geben 56 % an, dass sie selbst Krypto allokiert haben. Das sehen wir auch oft, dass die Vermögensberater zuerst einmal privat selbst investieren, bevor sie es ins Kundenportfolio mit aufnehmen. Die Allokationsgröße ist auch gestiegen, das heißt, hier sagen 64 %, dass sie bereits eine Allokation von größer als 2 % haben. Auch das ist eine ganz typische Entwicklung: Man beginnt mit kleinen Allokationen, und je mehr man sich an die Klasse gewöhnt und sie auch kennenlernt, desto größere Exposure gehen die Investoren ein.
Martin: Und die nächste Zahl ist interessant: dass 42 % der Advisor angeben, dass sie Krypto überhaupt ins Portfolio mit aufnehmen können. Da muss man sich die Frage stellen, was ist mit den restlichen rund 60 %? Das heißt, rund 60 % der Vermögensberater können es noch gar nicht aufnehmen. Und das haben wir ja auch mehrmals gezeigt, es ist noch nicht überall erhältlich. Es hat gerade erst Vanguard vor kurzem bekannt gegeben, dass sie auf ihren Plattformen Bitcoin- und Ethereum-ETFs ihren Kunden anbieten. Das heißt, wenn der Endkunde sein Portfolio auf so einer Plattform hat, dann konnte man bisher Krypto gar nicht allokieren. Deswegen ist es auch wichtig, all diese Nachrichten, dass Vanguard Krypto-Investments ermöglicht, dass Morgan Stanley das unlängst ermöglicht hat und vor allem in dieser oder nächster Woche eigene ETFs auflegt: Der Zugang zur Assetklasse wird für diese Vermögensberater immer breiter.
Anton: Und ich finde, dieser Punkt mit den 42 % ist super relevant für die Durchdringung derer, die tatsächlich schon für ihre Kunden allokiert haben. Das waren, glaube ich, 32 %, also umgerechnet drei Viertel aller, die es können, haben es eigentlich schon getan. Das ist eigentlich wichtig. Hier ist auch interessant, wenn man ein bisschen tiefer in den Report geht, dann sieht man die Entwicklung, das ist ganz spannend, von 2019 bis 2025: Financial Advisors geben Krypto in die Portfolios ihrer Endkunden, 6 % in 2019, und das ist stetig gestiegen, bis 32 % aktuell. Und die andere spannende Zahl ist, dass 70 % der Endkunden der Financial Advisors angeben, dass sie Krypto haben, aber abseits des verwalteten Portfolios. Mit anderen Worten: Wenn es der Financial Advisor nicht anbietet oder es nicht verfügbar ist, dann gehen sie zu Coinbase und Co. und machen es selber.
Martin: Lass uns zur nächsten Studie kommen. Das ist auch eine ganz spannende Studie, die wurde von Coinbase und Ernst & Young veröffentlicht, auch erst kürzlich, nämlich im März 2026. Und auch hier sind ein paar sehr spannende Aussagen enthalten, auf die wir gleich eingehen wollen. Ich glaube, der erste Punkt, den wir hier erwähnen sollten, ist, dass institutionelle Investoren trotz der Marktkorrektur Ende 25, Anfang 26 nicht die Überzeugung in dieser Assetklasse verloren haben, sondern ganz im Gegenteil: Die meisten von ihnen, über 70 %, geben an, zumindest in der Höhe allokiert zu bleiben, wenn nicht sogar die Allokation zu erhöhen.
Anton: Die Regulatorik an sich wird auf der einen Seite als Ermöglicher erwähnt, aber auf der anderen Seite auch ein bisschen als Hemmnis dargestellt. Hier sehen wir grundsätzlich weltweit den Trend, dass die Regulatorik voranschreitet, aber leider noch nicht überall das Maß an Klarheit bietet, das sich Investoren wünschen würden, und das ist dann an der Stelle ein bisschen als Hemmnis zu sehen.
Martin: Vielleicht zu dem Punkt des grundsätzlich recht positiven Ergebnisses von diesen Institutionen: Die Umfrage wurde konkret von Mitte bis Ende Januar 2026 gemacht, das heißt nach der großen Korrektur vom vierten Quartal letzten Jahres, aber noch vor diesem letzten Crash Anfang Februar. Das heißt, trotz dieser bereits ziemlich stark fortgeschrittenen Korrektur ist die Stimmung unter diesen institutionellen Investoren nicht schlecht, sondern sehr positiv.
Anton: Jetzt haben wir natürlich sehr viele Studien und unglaublich viele Zahlen gezeigt. Es ist nicht unsere Erwartungshaltung, dass alle Zuhörer das rezitieren können, das ist auch gar nicht notwendig. Das Bild, das wir hier zeichnen wollten, ist: Nummer eins, ganz klar, dieser Vermögenstransfer wird kommen, und zwar in einem Ausmaß, das für jeden, der Kapital Dritter veranlagt, super relevant ist. Die zweite Aussage ist: Diese neue Generation tickt gänzlich anders als die bestehenden Kunden. Und diese neue Generation, das haben, glaube ich, all diese unterschiedlichen Studien gezeigt, egal auf welche Geografie sie sich bezieht, will Krypto und sieht Krypto als einen der wichtigsten Bausteine für ihre Portfolios in der Zukunft. Und das ist natürlich die große Herausforderung für Vermögensverwalter, mit genau diesen sich ändernden Präferenzen umzugehen.
Martin: Ja, und da können wir vielleicht auch noch mal drüber sprechen. Es ist auf der einen Seite ein super interessantes Thema, weil es natürlich in der Zukunft liegt, 5, 10, 15, 20 Jahre, das heißt, es ist nicht super imminent. Da neigt man natürlich gerne dazu, solche Themen, die gerade nicht brennend sind, auf die lange Bank zu schieben.
Anton: Was ist da so deine Wahrnehmung zu diesem Thema?
Martin: Ja, ich würde sagen, das ist wahrscheinlich ähnlich wie mit unserem Pensionssystem. Jeder weiß, dass ein Problem auf uns zukommt, aber es ist noch gefühlt weit weg, also beschäftigen wir uns halt noch nicht damit. So fühlt sich das teilweise an. Demografisch zeichnet es sich einfach ab, und die unterschiedlichen Studien bestätigen mit unterschiedlichen Zahlen und unterschiedlichem Scope de facto immer das Gleiche: Die jüngere Generation will mehr alternative Investments und vor allem mehr Krypto. Und dann ist die Frage, wie geht man jetzt damit um? Wir hören es ja auch oft, dass Vermögensverwalter sagen: Ja, aber ich kriege eigentlich null Nachfrage nach Krypto, meine Kunden fragen nicht danach. Das ist irgendwie klar, wenn man sich all diese Studien und Zahlen anschaut, weil die ältere Generation, und das sind die Kunden der heutigen Vermögensverwalter, ist im Durchschnitt über 60 oder deutlich älter. Dass die nicht nach diesen alternativen Anlageklassen fragen, ist klar.
Anton: Und dann ist die Frage, und wir hören das teilweise auch, dass von solchen Häusern in öffentlichen Auftritten durchaus gegen Krypto argumentiert wird, weil die Fragen immer wieder kommen. Dann stellen sich Leute auf die Bühne und sagen, okay, Krypto ist keine seriöse Assetklasse. Und wenn da jüngere Generationen drinsitzen und sehen, dass der Vermögensverwalter des Vaters sich offen dagegen ausspricht, dann werden diese Jungen gar nicht auf die Idee kommen, ihn zu fragen, weil sie wissen, der macht das nicht und hat auch nicht die Kompetenz und die Glaubwürdigkeit, die junge Generation in dem Bereich zu beraten. Und das ist extrem riskant.
Martin: Ja, man versucht es den bestehenden kritischen Kunden zurechtzulegen, vergisst aber eigentlich, dass diese Kunden in den nächsten Jahren sehr viel Vermögen weitergeben werden, und das ist ein extrem großes Risiko, dass hier einfach diese Kunden verloren werden. Das bestätigen ja auch die unterschiedlichen Studien.
Anton: Ja, und das Trügerische ist, dass es so schleichend passiert, und das sind dann wahrscheinlich auch Diskussionen innerhalb der Familie, die man als Vermögensverwalter so gar nicht mitbekommt. Wir haben ja auch letztens auf einem Event in Deutschland mit jemandem gesprochen, dessen Familie ein Family Office hat, und der ganz klar gesagt hat: Unser Vermögensverwalter wehrt sich gegen Krypto und will das nicht anbieten, und wenn es meine Entscheidung wäre, hätte ich schon längst gewechselt. Nur ist es halt noch nicht seine Entscheidung, sondern in dem Fall die der Mutter. Und das ist genau das, was du beschreibst. Das ist jetzt natürlich ein spezifischer Fall, aber diese Fälle werden sich in der Zukunft weiter häufen.
Martin: Wir kennen ja auch einen Fall, den finde ich auch ganz spannend, von einem Family Office, mit dem wir zusammenarbeiten, wo die junge Generation eingeladen wurde, mitzuwirken und schon Entscheidungen zu treffen. Und dann kam eben der Punkt: Krypto, ja oder nein? Die ältere Generation hat gesagt, nein, machen wir definitiv nicht, und die junge Generation hat gesagt: Ja, aber wir wollen es, und es wird ja auch irgendwann unser Geld sein, und ihr habt uns eingeladen, dass wir unsere Meinung einbringen sollen, wir hätten es gern. Und das Thema konnte nicht anders gelöst werden, als zu sagen: Na gut, dann macht man halt zwei Töpfe, dann gibt es einen Next-Gen-Topf, der allokiert, während die alte Generation noch ihr Ding durchzieht. Und natürlich sind das alles individuelle Situationen der Familien, wie man es am Ende des Tages löst. Aber für den Vermögensverwalter wird es wichtig sein, so wie du es gesagt hast, dass man sich so positioniert, dass man offen gegenüber dem Thema ist, in diesem Thema grundsätzlich auch kompetent ist, und wenn jemand allokieren will und die alte Generation nicht, dann ist es so, aber die, die wollen, können es, weil man selber die Kompetenz mitbringt. Und die jüngere Generation, wenn sie dann am Hebel sitzt, wird das auch wertschätzen und nicht von Haus aus sagen: Das ist keine Option für mich, mein Kapital dort zu lassen, weil der nicht bieten kann, was ich eigentlich haben will.
Anton: Ja, ich glaube, das ist einer der springenden Punkte. Es wird ja meistens, und das kommt auch aus diesen Studien hervor, immer defensiv gesehen, das heißt Krypto als Chance, die nächste Generation der bestehenden Kunden zu behalten, nicht zu verlieren. Aber man kann das genauso umgekehrt sehen, als eine Chance, Neukunden zu gewinnen. Weil der, der weggeht, sucht ja jemand anderen. Und wen wird er suchen? Jemanden, der seinen Bedürfnissen entgegenkommt, der aufgeschlossen ist gegenüber unterschiedlichen Assetklassen und nicht sagt: Nein, ein 60/40-Portfolio ist das, was ich über 30 Jahre gelernt habe. Und eine interessante Story ist ja auch die von Maerki Baumann. Lukas Risi, der Deputy CEO, war ja bei uns auch im Podcast, für alle, die diese Folge nicht gesehen haben, sehr zu empfehlen. Lukas erzählt im Endeffekt, wie Maerki Baumann, eine fast 100 Jahre alte Privatbank, diesen Weg gegangen ist und sich bereits vor sechs Jahren dem Thema Krypto geöffnet hat. Und er erzählt in dem Gespräch mit uns, dass er selbst für Next-Gen-Projekte der Bank zuständig war und sagt, alle diese Projekte haben de facto nicht funktioniert, sich moderner zu etablieren, Events etc. Was funktioniert hat, war Krypto, indem sie eine Kryptostrategie entwickelt haben, mit dem Abwägen aller Risiken und Mitigationsmöglichkeiten. Und das hat dazu geführt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dass das Durchschnittsalter von über 70 Jahren auf unter 60 Jahre gesunken ist, in nur sechs Jahren. Und an dem Beispiel sieht man sehr gut, was für Auswirkungen das haben kann. Und das Problem haben viele dieser Vermögensverwalter, dass die bestehenden Kunden einfach zu alt sind.
Martin: Ja. Und vielleicht zum Abschluss können wir auf jeden Fall sagen, wir haben es auch einleitend gesagt: Natürlich ist dieses Thema insbesondere relevant für diejenigen, die das Kapital Dritter veranlagen, weil es für ihre eigene Geschäftstätigkeit relevant ist. Aber grundsätzlich ist dieses ganze Thema relevant für jeden Investor, der in Krypto allokiert und das auch langfristig tut, weil hier einfach eine ganz neue Investorengruppe in der Zukunft richtig viel Kapital bekommen wird. Und wenn die gemäß den Aussagen der unterschiedlichen Reports und Statistiken, die wir heute gesehen haben, allokieren werden, dann ist das extrem viel Geld, das in einen aktuell noch sehr kleinen Markt fließen wird.
Anton: Ja, und das ist ein langfristiger Hebel, der einem bewusst sein sollte. Und schlussendlich werden diese Investoren, die in den Markt kommen, das sagen wir auch immer, auch den Markt verändern, weil die ein langfristigeres Denken haben, ein professionelleres Handeln. Die werden anders auf diese Assets schauen als die bestehenden Retail-Investoren, die nur durch Hype und Marketing schnell Geld verdienen wollen. Da wird der Markt zunehmend professioneller, und das sehen wir gerade auch jetzt, obwohl sich der Markt beziehungsweise die Preise zumindest nicht so entwickeln, wie viele sich das erhofft haben. Aber hinter den Kulissen sehen wir, dass sich alle positionieren.
Martin: Ja. Wer in Krypto investiert, muss das langfristig tun, weil die Trends alle in die richtige Richtung gehen. Es braucht halt einfach nur Zeit.
Anton: Genau. In diesem Sinne, bis nächste Woche.
Martin: Bis nächste Woche.

Anton Werner begann seine Laufbahn nicht bei Digital Assets – doch jeder Schritt führte ihn dorthin. Statt einer Private-Equity-Karriere zog es ihn 2011 nach Berlin: Er war am Aufbau führender E-Commerce-Unternehmen beteiligt und gründete ein eigenes Travel-Startup, das er erfolgreich verkaufte. Über das klassische (Web2-)Venture-Capital fand er zu Krypto – und erkannte darin nicht nur eine Anlageklasse, sondern das Fundament eines offeneren, faireren Internets. Seine Überzeugung: Krypto ist liquides Venture-Capital, doch ohne disziplinierte, datenbasierte Portfolioverwaltung fressen Volatilität und Emotionen jede Rendite. Bei Fountainhead Digital integriert er Digital Assets für Vermögensverwalter – strukturiert, compliant und risikooptimiert.

Martin Bechter beschäftigt sich seit 2017 mit Krypto – anfangs skeptisch, heute überzeugt. Mit über einem Jahrzehnt in Corporate Finance und klassischem (Web2-)Venture-Capital betrachtet er die junge Anlageklasse als Investor, Operator und Stratege zugleich. Vor allem will er eine oft missverstandene Technologie verständlich machen – sachlich, vom Grundprinzip her gedacht und ohne Hype. Als Co-Founder von Fountainhead Digital entwickelt er Krypto-Investmentstrategien für professionelle Anleger.