Der Cryptomarkt hat seit dem Oktobercrash stark korrigiert und die Stimmung unter vielen Anlegern ist entsprechend schlecht. Gleichzeitig ist im Hintergrund etwas passiert, das in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend untergeht: Die institutionelle Adoption von Crypto, sowohl als Assetklasse als auch als Technolgoie, hat in den letzten Monaten deutlich an Dynamik gewonnen.
In dieser Folge gehen wir die wichtigsten Adoptions-News seit dem Oktobercrash im Schnelldurchlauf durch – von Banken, Asset Managern und Börsen bis hin zu Regulatoren, Stablecoins und tokenisierten Finanzprodukten.
Im zweiten Teil ordnen wir diese Entwicklungen auf einer Meta-Ebene ein: Was bedeuten diese Meldungen wirklich? Warum reagiert der Markt bisher kaum darauf? Und weshalb könnte genau diese Diskrepanz zwischen Preisentwicklung und strukturellem Fortschritt für Investoren besonders relevant sein?
Anton: Der Kryptomarkt hat seit Oktober 2025 circa 50 % der Marktkapitalisierung verloren, und die Stimmung, insbesondere bei den Retail-Anlegern, ist am Boden. Dennoch schreitet die Adoption dieser Assetklasse und auch der zugrunde liegenden Technologie von Seiten der Finanzinstitutionen unweigerlich voran, mit ziemlichem Momentum sogar, muss man sagen. Was wir heute machen wollen, ist, die wichtigsten Adoption-News der letzten Monate, eben seit dem Oktober-Crash, zusammenzufassen, denn das sind eigentlich Meldungen, die man in den traditionellen Medien überhaupt nicht mitbekommt. Nach diesem kurzen Durchlauf wollen wir dann eine Einordnung dieses ganzen Themas geben. Wir wollen das so machen, dass wir Monat für Monat durchgehen, und, Martin, wir starten doch jetzt einfach gleich mal mit dem Oktober.
Martin: Ja, als Ergänzung: Wir fassen das ja immer wöchentlich in so einem Newskanal zusammen, und das ist dann auch für uns spannend zu sehen, was eigentlich in dieser kurzen Zeit an Meldungen gekommen ist, die gerade, weil alle auf den Preis schauen, untergehen. Fangen wir mit Oktober an, sozusagen mit der Adoption der Technologie, also der Anwendung von Krypto. Hier hat ICE, also Intercontinental Exchange, das ist die Mutter der New York Stock Exchange, ein 2-Milliarden-Dollar-Investment in den führenden Prediction Market, Polymarket, gemacht und zeigt quasi, wie sich diese zentralen Börsen in Kryptoplattformen etablieren. Als Nächstes war Western Union, die einen eigenen Stablecoin auf Solana angekündigt haben. Dann hat Japan, die drei größten Banken Japans, ebenfalls angekündigt, dass sie einen eigenen Yen-basierten Stablecoin auf den Markt legen. Das heißt, nicht nur US-Dollar, sondern auch mehrere andere Währungsnationen gehen in den Stablecoin-Markt. Das war es sozusagen im Oktober von der Technologie her.
Anton: Von Seiten der Asset-Adoption ganz spannend: Der luxemburgische Staatsfonds, der ungefähr 1 Billion Euro schwer ist, hat 1 % in Bitcoin investiert. Und Morgan Stanley, vormals ein absoluter Kritiker von Krypto, hat eine offizielle Empfehlung für die Beimischung von Kryptos in das traditionelle Portfolio ausgegeben, 2 bis 4 % ist da die empfohlene Allokationsquote.
Martin: Genau. Und dann hat es ein paar News von regulatorischer Seite gegeben, nämlich die britische Finanzmarktaufsicht hat ein jahrelanges Verbot von Krypto-ETPs beziehungsweise ETNs aufgehoben, mit der Begründung, dass die Assetklasse reif wird und dass die Nachfrage immer stärker gestiegen ist. Und dann hat in dem Monat Oktober auch Paul Atkins, der Leiter der amerikanischen Wertpapieraufsichtsbehörde SEC, ganz klar Krypto zur Priorität Nummer eins gemacht und auch ein bisschen scherzhaft erwähnt, dass er die SEC, die er leitet, auch die "Securities and Innovation Commission" nennt. Also, sie setzen sehr stark auf Innovation im Finanzmarkt. Und dann war auch noch ein sehr spannendes Hearing für die gesamte Payment-Industrie, mit der traditionellen Payment-Industrie und auch mit der Crypto-Payment-Industrie, gehostet von der Fed. Und da gab es auch sehr starke Worte pro Krypto, nämlich dass die Kryptoindustrie hier willkommen ist, diese Disruption im Payment-Markt zu begleiten.
Anton: Das war es für Oktober, lass uns mit dem November weitermachen. JPMorgan hat im November bekannt gegeben, dass sie einen eigenen Deposit Token kreieren werden, auf Base, also der Base Chain, das ist eine Layer-2-Chain der Ethereum-Blockchain. Ganz spannend, JPMorgan, vormals ein sehr großer Kryptokritiker unter dem CEO Jamie Dimon. Das war der allererste Schritt, wir werden von mehreren weiteren Schritten dann in weiterer Folge auch noch hören. Worum geht es hier grob? Im Endeffekt geht es darum, die eigenen Bankdeposits zu tokenisieren und damit das internationale Settlement zwischen den eigenen Konten einfacher und auch billiger zu gestalten.
Martin: Dann Amundi, Europas größter Asset Manager mit ungefähr 5 Billionen Assets under Management, hat einen ersten Schritt Richtung Tokenisierung gemacht, und zwar haben die einen Money Market Fund in Teilen tokenisiert. Das hat auch auf der Ethereum-Blockchain stattgefunden. Gut, dann kommen wir im November zur Assetklasse, das heißt, wie bewegen sich unterschiedliche Investoren in die Assetklasse? Hier hat die tschechische Nationalbank für Aufsehen gesorgt, indem sie eine, wohlgemerkt auch kleine, Testtransaktion von einer Million Dollar in Bitcoin gemacht hat, mit der Begründung, dass hier eine neuartige Zahlungsinfrastruktur entsteht und sich die Bank darauf vorbereitet. Wohlgemerkt keine Staatsreserve, wie das teilweise auch ein bisschen euphorisch dargestellt wurde. Und dann ebenfalls für Aufsehen gesorgt hat der Harvard-Endowment-Fonds. Das sind ja milliardenschwere Fonds, die dafür bekannt sind, dass sie grundsätzlich recht konservativ sind, und der hat bekannt gegeben, dass die größte Einzelposition der BlackRock Bitcoin ETF ist, in einer Größenordnung von, glaube ich, 400 bis 500 Millionen Dollar. Und von der Adoptionsseite ganz spannend: Die Bank of England hat eine Stablecoin-Regulatorik angestoßen. Das kommt im Endeffekt als direkte Konsequenz auf das, was in den USA ein paar Monate vorher passiert ist, mit dem GENIUS Act, der die Stablecoins reguliert, und da will jetzt UK gleichziehen.
Anton: Dezember. Hier hat von der Technologieseite Interactive Brokers bekannt gegeben, dass sie jetzt auch Stablecoin-On-Ramp und -Off-Ramp ermöglichen, was es ihnen natürlich möglich macht, das 24/7 und rund um die USA kostengünstig zu machen. Und dann hat auch JPMorgan einen tokenisierten Money Market Fund gelauncht, auch wiederum auf der Ethereum-Blockchain, ähnlich wie BlackRock und viele andere große Asset Manager das ebenso bereits gemacht haben. Vanguard, der zweitgrößte Asset Manager der Welt mit circa 11 Billionen Assets under Management, war historisch immer sehr anti Krypto aufgestellt. Unter dem ehemaligen CEO wurden hier jegliche Krypto-Investmentprodukte verboten. Das hat sich jetzt unter der Ägide des neuen CEO geändert, und Vanguard lässt nun zum allerersten Mal Krypto-ETPs für seine 50 Millionen Kunden weltweit zu. Also ein ganz großer Schritt und eine sehr drastische Kursänderung des neuen CEO.
Martin: Ja, und auch die Bank of America geht einen Schritt weiter. Die Bank of America hat jetzt allen Wealth Clients eine Empfehlung ausgesprochen, Krypto zwischen 1 und 4 % in die Portfolios beizumischen.
Martin: Ja, auch im neuen Jahr ist es weitergegangen mit spannenden News, während die Preise im Keller waren, nämlich State Street, die größte Depotbank, Custodian-Bank der Welt, hat den Start einer Tokenisierungsplattform angekündigt, und zwar hat der CEO auch ganz klar gesagt, dass das eine Transformation in der Finanzindustrie darstellt und eine riesige Chance, und deswegen positioniert sich hier logischerweise die größte Depotbank und bereitet sich auf diese Transformation vor. Ähnlich auch die New York Stock Exchange, die ebenso eine Tokenisierungsplattform ermöglicht hat, die dann in Zukunft quasi 24/7-Handel von öffentlichen Aktien auf Blockchain-Rails ermöglicht. Da wurde, glaube ich, noch nicht bekannt gegeben, auf welcher Infrastruktur, sprich auf welcher Blockchain, das Ganze stattfinden wird. Und dann wieder eine Stablecoin-News, nämlich auch Fidelity, einer der größten Asset Manager der Welt, startet seinen eigenen Stablecoin, ebenfalls auf der Ethereum-Blockchain, wobei viele dieser Stablecoins dann multichain sind, aber darüber können wir später sprechen.
Anton: Gut, Morgan Stanley hatten wir ja schon erwähnt, hat Ende letzten Jahres seinen Kunden zum allerersten Mal Zugang zu Krypto-ETPs gegeben. Im Januar sind sie einen Schritt weitergegangen und haben jetzt auch eigene Krypto-ETFs aufgelegt, nämlich für Bitcoin, Solana und Ethereum. UBS, das ist der weltweit größte Wealth Manager mit circa 7 Billionen Assets under Management, öffnet sich jetzt auch Krypto und hat im Januar bekannt gegeben, Kryptoveranlagungen für seine Kunden zu öffnen.
Martin: Gut, dann kommen wir in den Februar. Hier war eine spannende News Anfang Februar, nämlich BlackRock hat ja einen tokenisierten 2,5-Milliarden-Dollar-Money-Market-Fund, das war ja der erste, der auf einer öffentlichen Blockchain tokenisiert wurde, der heißt BUIDL. Und die sind jetzt einen Schritt weitergegangen, in einer Kooperation mit Uniswap, der führenden dezentralen Exchange, nämlich dass sie diese BUIDL-Fondanteile auf einer dezentralen Infrastruktur von Uniswap handelbar machen. Und zusätzlich hat BlackRock auch bekannt gegeben, dass sie in den UNI-Token investiert haben, das ist der Governance Token, man kann sagen, ähnlich wie die Aktie am dezentralen Uniswap-Protokoll. Und dann gleich darauf eine ähnliche News, nämlich Apollo, einer der größten Private-Credit- beziehungsweise Alternative-Investment-Asset-Manager, hat ebenfalls eine starke Integration mit Morpho, einem dezentralen Lending-Protokoll, bekannt gegeben, die auch Private Credits auf ihrer Plattform haben, und ebenfalls in den MORPHO-Token investiert, das ist wiederum das Pendant zum UNI-Token, das heißt, das gibt eine Art Partizipation am Morpho-Protokoll. Und Meta, von denen war ja bekannt, dass sie vor vielen Jahren einen eigenen Coin kreieren wollten, was dann zu einem riesigen Aufruhr geführt hat. Die starten jetzt wieder durch, durch die regulatorische Klarheit. Im Endeffekt planen sie eine Stablecoin-Integration auf allen ihren Plattformen, und Meta mit Facebook, WhatsApp und Instagram hat auf jeder dieser Plattformen 2 bis 3 Milliarden User. Das heißt, wenn das wirklich implementiert wird, ist das riesig. Wird aber sicher noch dauern.
Anton: Asset-Klasse, auch da sind ganz spannende Sachen im Februar passiert. Danske Bank, das ist die größte dänische Bank, die in den letzten acht Jahren Krypto sehr vehement verboten hat, öffnet sich jetzt auch, so wie viele andere, von denen wir das schon gehört haben, und bietet jetzt Bitcoin- und Ethereum-ETPs all ihren Kunden an. Begründung auch hier: Der Markt hat sich verändert, und natürlich ist die Nachfrage in dieser Zeit einfach enorm gestiegen, und man reagiert hier im Endeffekt auf den Zahn der Zeit. Citibank hat bekannt gegeben, dass sie in die institutionelle Verwahrung von Crypto Assets gehen wollen und das schon im Laufe des Jahres 2026 anbieten wollen. Und Morgan Stanley, von denen haben wir heute schon zweimal gehört, gehen noch einen Schritt weiter und haben im Februar bekannt gegeben, dass sie eine eigenständige Digital-Asset-Entity kreieren wollen, in der sie dann auch Services anbieten wollen wie das sichere Verwahren von Assets, das Traden von Crypto Assets, aber auch das Staking von Crypto Assets. Und dann gab es eine, ja, klingt vielleicht recht technisch, aber doch recht wichtige News auf regulatorischer Seite, nämlich die SEC hat eine Regel entfernt, die es erfordert hat, dass jeder Broker, wenn er Stablecoins auf der eigenen Balance Sheet hat, diesen Betrag an Stablecoins mit 100 % zusätzlichem Kapital absichern muss, weil es bisher als High Risk gesehen wurde. Und das wird jetzt gleichgestellt mit de facto hochsicheren Money Market Funds, was nur mehr eine zweiprozentige zusätzliche Absicherung von Kapital erfordert. Das heißt, Stablecoins sind hier jetzt gleichgestellt, ökonomisch oder von der Struktur her sind sie das ja auch, wenn man dahinterblickt.
Martin: So, kommen wir in den März, der noch recht jung ist, aber da hat sich auch schon einiges getan. Wir erinnern uns, ICE, also Intercontinental Exchange, der Eigentümer der New York Stock Exchange, die pushen ihre Kryptostrategie jetzt noch stärker. Nach dem Investment in Polymarket haben sie jetzt auch ein Investment in OKX, eine der größten Crypto Exchanges der Welt, bekannt gegeben, und das komplettiert im Endeffekt ein bisschen die Strategie, die sich hier zu formen scheint, nämlich Tokenisierung von Real World Assets, Tokenisierung von Aktien, Anleihen und dergleichen. Und da soll OKX ein wichtiger Technologiepartner sein. Dann noch ganz spannend, im März hat Mastercard ein eigenes Krypto-Partnerprogramm mit 85 Partnerfirmen aus der Kryptoindustrie bekannt gegeben, es zählen aber auch Banken und Payment Service Provider dazu, und es geht am Ende des Tages darum, die Blockchain-Technologie, also Onchain-Technologie, mit Mastercards globalen Payment Rails zu kombinieren, um einfach schnellere und auch programmierbare Transaktionen über den kompletten Globus hinweg möglich zu machen.
Anton: Gut, das war es, News-Flash im Zeitraffer sozusagen, der letzten vier, fünf Monate. Was war für dich das Highlight, das Wichtigste?
Martin: Schwer, wirklich eins rauszupicken, das würde den anderen fast schon ungerecht werden, aber ich glaube, es ist einfach fast schon wie ein Lego-Puzzle, das sich hier zusammenfügt. Und man sieht, es ist immer so, dass einer den Anfang macht und dann kommt der Stein ins Rollen, dann baut sich das Momentum auf, und es fühlt sich gerade so an, als ob dieses Momentum hier unaufhaltsam in die Richtung geht, dass eine Integration zwischen der traditionellen Finanzbranche und der Kryptobranche einfach zum Standard wird.
Anton: Ja, wenn ich eines wählen würde, dann ist es eine oder zwei News, die genau das am stärksten unterstreichen, auch das, was wir immer sagen, dass diese Decentralized-Finance-Welt mit der realen Finanzwelt verschmelzen, sich überschneiden, sich ergänzen oder sich gegenseitig befruchten wird. Und das ist wahrscheinlich nirgendwo deutlicher als dass BlackRock einen tokenisierten Money Market Fund, der sich auf einer Blockchain bewegt, auf einmal auf einer dezentralen Infrastruktur, nämlich Uniswap, handelbar macht. Das ist zwar noch sehr restriktiv und mit KYC, das kann nicht jeder kaufen, aber das sind die ersten Schritte, wo traditionelle Asset Manager diese hocheffiziente dezentrale Infrastruktur für ihre traditionellen Finanzinstrumente verwenden. Und wenn hier alle Assets tokenisiert werden, und viele News sind ganz klar in die Richtung gegangen, die Börse bereitet sich auf Tokenisierung vor, die Depotbanken bereiten sich auf Tokenisierung vor, das sind alles Indizien, die in eine Richtung führen, nämlich dass alle Assets tokenisiert werden. Und dann wird auch diese DeFi-Infrastruktur wirklich zum Tragen kommen, beziehungsweise die Vorteile werden wirklich zum Tragen kommen. Und da haben wir in den letzten Monaten die ersten Schritte in die Richtung gesehen, was schon sehr spannend ist, eigentlich früher passiert, als ich erwartet hätte.
Martin: Ja, ich meine, was wir ja auch ab und zu erwähnen, wenn wir mit Menschen aus der traditionellen Finanzbranche sprechen: Das ursprüngliche Ethos von Krypto, wenn wir zurückdenken, 10 Jahre oder so, das war, dass man die Finanzbranche disruptieren will. Und jetzt sind wir an einem Punkt gekommen, wo klar ist, hier geht es nicht um die Disruption im Sinne, wie es damals vielleicht von den Cypherpunks gemeint war, sondern es geht darum, das Beste aus diesen beiden Welten zu kombinieren. Und das wird ein längerer Prozess sein, aber wie schon gesagt, der Stein ist ins Rollen gekommen, und der ist unaufhaltsam, weil die Vorteile dieser Technologie gegenüber den bestehenden Kernsystemen einfach so offensichtlich sind. Und wenn etwas so offensichtliche Vorteile hat, dann ist natürlich klar, dass es immer welche gibt, die den Status quo nicht verändert haben wollen, weil sie die Nutznießer des Status quo sind. Aber diese Blockade angesichts dieser großen Vorteile einer Veränderung führt nicht dazu, dass dieser Change-Prozess aufgehalten werden kann. Er kann vielleicht verzögert werden, das hat man vielleicht am Anfang gesehen.
Anton: Ja, da gibt es ja auch dieses gute Zitat von Schopenhauer, die "three stages of truth", auch das haben wir schon öfter erwähnt: Zuerst wirst du ausgelacht, dann wirst du bekämpft, und dann wird es als Wahrheit akzeptiert. Und genau an dieser dritten Stufe sind wir mittlerweile angekommen, dass der Großteil der Finanzbranche verstanden hat, dass die Vorteile so offensichtlich sind, dass man rational gesehen nichts anderes machen kann, als mit der Zeit zu gehen und diese Technologie und die Assetklasse zu adoptieren.
Martin: Ja, und das ist vielleicht auch noch ein Punkt, über den wir reden sollten. Wir sind ja Investoren. Was bringt jetzt diese Adoption, was heißt das für diese Assetklasse? Das hören wir ja immer wieder, und das sehen wir auch, dass es hier noch nicht wirklich ein klares Verständnis gibt vom Zusammenspiel zwischen der Technologie, in der Öffentlichkeit meistens als Blockchain definiert, und der Assetklasse, nämlich diesen Kryptowährungen. Das wird ja teilweise noch immer etwas künstlich getrennt. Wenn man etwas tiefer dahinterblickt, erkennt man sehr schnell, dass das eine nicht ohne das andere existieren kann. Es kann hier BlackRock nicht auf Ethereum tokenisieren, und es kann sich kein Stablecoin auf Ethereum bewegen, wenn es nicht ETH, das Asset, geben würde. Und dieses Zusammenspiel, wir sehen es immer wieder auch von wirklich großen Playern, dass das nicht so wahrgenommen wird. Und wenn man jetzt weiterdenkt und sagt, okay, alle diese Assets werden tokenisiert, was passiert denn da eigentlich? Bei jedem dieser Transfers sind Gebühren zu zahlen, in der nativen Kryptowährung, ob das auf Ethereum passiert, auf Solana oder wo auch immer. Und das sind wiederum de facto ganz klassisch Umsätze für diese Netzwerke, die unterschiedlich an Investoren fließen oder in Aktienrückkäufe beziehungsweise Tokenrückkäufe getätigt werden. Das heißt, je mehr wir hier tokenisieren, je mehr wirtschaftliche Aktivität onchain stattfindet, desto mehr werden diese Assets nachgefragt. Und deswegen sagen wir auch immer, ich glaube, diese Analogie ist ganz gut und verständlich: Das ist wie das Öl in einer Wirtschaft oder das Öl in einer Maschine. Je größer diese Wirtschaft oder diese Maschine ist, desto mehr Öl wird benötigt. Und da sind wir gerade in den Anfängen, aber die Weichenstellungen sind, glaube ich, ziemlich klar, wenn sich hier gefühlt jeder mit dem Thema beschäftigt, weil er gar nicht anders kann.
Anton: Wenn das jetzt alles so positiv ist, und das ist es ja tatsächlich, ist eine naheliegende Frage: Warum verhalten sich dann die Preise so, wie sie es getan haben? Und natürlich muss man hier sagen, der Markt hat unterschiedliche Einflussfaktoren, die auf ihn wirken, und es gibt nicht immer nur ein oder zwei Gründe, die etwas erklären können, es ist meist deutlich diffiziler. Aber ich glaube, was man hier bei all diesen News verstehen muss: Das sind News, das sind Bekanntmachungen gewisser Vorsätze, Projekte, Initiativen, wie auch immer man das nennen will, von sehr großen Playern. Und jeder, der schon mal in die Arbeitsabläufe dieser großen Player reingesehen hat, und das ist nicht nur für die Finanzbranche so, das sieht man eigentlich fast in allen Branchen, weiß, dass diese großen Player behäbig und langsam sind. Das heißt, da braucht es noch Zeit, bis diese Initiativen vollumfänglich umgesetzt sind, an den Kunden gebracht, ausgerollt und in den Vertrieb gegeben wurden, und das benötigt einfach Zeit. Aber die ersten Schritte sind gegangen, und das ist wichtig.
Martin: Und darum sagen wir auch, am Ende des Tages sieht man jetzt diese sehr große Diskrepanz: Mit jedem, mit dem wir von institutioneller Seite sprechen, bekommen wir eigentlich diese unglaublich positive Haltung gegenüber diesem Space mit, während der klassische Retail-Investor gerade irgendwie das Handtuch wirft. Und genau diese Dispersion ist am Ende des Tages, glaube ich, jetzt die große Chance in diesem Markt. Wir bringen das so ein bisschen mit dieser Analogie gerne rüber, dass wir sagen, da baut sich gerade eine riesengroße Welle auf, und so wie es beim Tsunami ist, zieht sich zuerst das Wasser zurück, und es ist extrem windstill, und dann kommt es. Und hinter dem Vorhang, abseits der Mainstream-Medien, und ich hoffe, das konnten wir heute so ein bisschen zeigen, baut sich gerade diese institutionelle Welle auf.
Anton: Gut, das heißt, in diesem Sinne, bis nächste Woche, nützen wir die Welle.
Martin: Genau. Schönes Wochenende.

Anton Werner begann seine Laufbahn nicht bei Digital Assets – doch jeder Schritt führte ihn dorthin. Statt einer Private-Equity-Karriere zog es ihn 2011 nach Berlin: Er war am Aufbau führender E-Commerce-Unternehmen beteiligt und gründete ein eigenes Travel-Startup, das er erfolgreich verkaufte. Über das klassische (Web2-)Venture-Capital fand er zu Krypto – und erkannte darin nicht nur eine Anlageklasse, sondern das Fundament eines offeneren, faireren Internets. Seine Überzeugung: Krypto ist liquides Venture-Capital, doch ohne disziplinierte, datenbasierte Portfolioverwaltung fressen Volatilität und Emotionen jede Rendite. Bei Fountainhead Digital integriert er Digital Assets für Vermögensverwalter – strukturiert, compliant und risikooptimiert.

Martin Bechter beschäftigt sich seit 2017 mit Krypto – anfangs skeptisch, heute überzeugt. Mit über einem Jahrzehnt in Corporate Finance und klassischem (Web2-)Venture-Capital betrachtet er die junge Anlageklasse als Investor, Operator und Stratege zugleich. Vor allem will er eine oft missverstandene Technologie verständlich machen – sachlich, vom Grundprinzip her gedacht und ohne Hype. Als Co-Founder von Fountainhead Digital entwickelt er Krypto-Investmentstrategien für professionelle Anleger.