19. Dezember 2025·54 min
#11 | Stablecoins verstehen: Die 15 wichtigsten Antworten für professionelle Investoren | # 011

#11 | Stablecoins verstehen: Die 15 wichtigsten Antworten für professionelle Investoren | # 011

In 50 Minuten beantworten wir die 15 wichtigsten Fragen rund um Stablecoins von den Grundlagen über Use Cases und Marktstrukturen bis hin zu Regulierung und Investment-Perspektiven. Ideal für Einsteiger und alle, die sich einen strukturierten Überblick verschaffen wollen.

Unter Anderem sprechen wir darüber:

🔹 Wann Stablecoins entstanden sind und wofür sie ursprünglich genutzt wurden 🔹 Unterschiede zwischen Stablecoins, Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen 🔹 Unterschied zwischen zentralen und dezentralen Stablecoins 🔹 Die wichtigsten Use Cases: Trading, DeFi, Sparen und Payments 🔹 Wie Stablecoins ihren Wert stabil halten 🔹 Die größten Stablecoins und ihre Marktanteile 🔹 Warum US-Dollar-Stablecoins dominieren und Euro-Stablecoins derzeit noch kaum eine Rolle spielen 🔹 Geschäftsmodelle der Stablecoin-Emittenten und warum sie so profitabel sind 🔹 Regulierung in den USA vs. Europa 🔹 Wie Investoren am Stablecoin-Trend partizipieren können

🎧 Perfekt als Einstieg in das Thema Stablecoins und als Vorbereitung auf kommende Experteninterviews im Podcast.

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Anton: Wir sind ja in der letzten Woche vor Weihnachten, und Weihnachten ist für viele Menschen auch so ein Anlass, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Und ich glaube, ohne wirklich viel nachzudenken, eines der bestimmenden Themen im Kryptomarkt für das Jahr 2025 waren Stablecoins. Omnipräsent. Auch als wir vor ungefähr drei Monaten mit dem Podcast hier angefangen haben, hat uns dieses Thema seither mehr oder weniger verfolgt. Jede Woche kamen irgendwelche News raus von neuen Finanzplayern, die sich jetzt auch dem Thema Stablecoins annehmen. Und das ist Anlass genug, dass wir gesagt haben, wir sollten diesem Thema vielleicht auch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit geben. Wir haben mittlerweile auch schon den einen oder anderen Stablecoin-Experten für diesen Podcast gewinnen können, also stay tuned, da kommt einiges auf euch zu, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Aber bevor wir mit diesen Experten in den Austausch gehen, wollen wir allen, die vielleicht noch nicht so tief in dem Thema sind, die Chance geben, einen allumfänglichen Blick auf das Thema Stablecoins zu bekommen. Und wir haben uns gedacht, wir strukturieren diese Folge heute so, dass wir die 15 wichtigsten Fragen rund um Stablecoins aufgreifen und die bestmöglich in aller Kürze beantworten, sodass man nach dieser Folge hoffentlich einen ganz guten Überblick über Stablecoins hat. Martin, legen wir los.

Martin: Sehr gut. Starten wir mit der ersten Frage, nämlich: Wann und warum sind Stablecoins eigentlich entstanden? Kurze Antwort: nicht 2025, nämlich viel früher. Die ersten Versuche hat es 2013 gegeben. Der erste war in der Tat Tether, das heißt der heute größte Stablecoin-Emittent. Kurz danach kam dann Circle dazu. Obwohl es 2013 begonnen hat, wirklich reif wurden sie ab 2017, nämlich als Ethereum entstand und als Smart Contracts entstanden sind, und dann sind sowohl Tether als auch Circle de facto wirklich beliebt geworden. Und warum? Der Hauptgrund war in den ersten Jahren im Endeffekt: Krypto ist extrem volatil, und es gab damals noch keine Fiat-Onboarding-Möglichkeiten in Euro oder US-Dollar. Das heißt, man hat nach einer handelbaren, stabilen Settlement-Währung gesucht und nach einem sicheren Hafen, da, wo man auszahlen konnte, ohne in Fiat gehen zu müssen. Und das war eigentlich der Hauptgrund. Wie gesagt, die zwei heute auch größten Stablecoin-Anbieter sind wirklich an den Start gegangen, und wirklich an Fahrt gewonnen hat es eigentlich erst ab 2020. Das sehen wir dann nachher im Market Cap von den beiden. Was vielleicht auch wichtig ist, weil man heute gerade bei Tether über dieses attraktive Businessmodell spricht: Als die an den Start gegangen sind, war Niedrigzinspolitik. Das heißt, das Hauptthema war damals nicht, große Zinseinkünfte zu generieren, aber da kommen wir später dazu.

Anton: Würde ich sagen, machen wir gleich weiter mit der zweiten Frage, weil da gibt es auch oft recht starke Missverständnisse, nämlich: Wie unterscheiden sich Stablecoins von diesen anderen Kryptowährungen, von Bitcoin, Ethereum und Co.? Also man muss gleich einmal sagen, der Use Case ist ein ganz anderer. Der Use Case von Stablecoins ist im Endeffekt, eine Fiat-Währung, also den US-Dollar oder Euro, stabil abzubilden, im Idealfall ein 1:1-Peg zu haben. Das ist nicht der Use Case oder die Intention von Bitcoin, was mittlerweile, glaube ich, alle als digitales Gold verstehen. Auch der Vergleich mit Gold ist nicht ganz richtig, Gold ist ja nicht stabil gegen den Dollar oder den Euro. Und Ethereum, Solana und Co., die verfolgen ganz andere Use Cases und haben ganz andere Geschäftsmodelle dahinter. Also das ist die Abgrenzung: Stablecoins sind ein Use Case auf Smart-Contract-Blockchains wie zum Beispiel Ethereum und Solana und haben als digitales Asset, was sie ja auch sind, eigentlich die gleichen Charakteristika wie andere Crypto Assets auf diesen Blockchains. Das heißt, sie können 24/7 transferiert und gesettelt werden, sie sind programmierbar, man kann also Logiken hinterlegen, und sie sind generell mit Smart Contracts kompatibel, die dann diese Logiken umsetzen können. Machen wir vielleicht gleich weiter. Martin, ich habe von Anwendungsfällen, von Use Cases von Stablecoins gesprochen. Für was verwendet man denn Stablecoins jetzt eigentlich?

Martin: Genau. Also, wir brechen das runter in vier Hauptgründe oder Motive, warum User Stablecoins verwenden. Den ersten habe ich schon erwähnt, das war der Ursprung, nämlich als Trading Pair gegen verschiedene Kryptowährungen, vor allem auf diesen zentralen oder auch dezentralen Kryptobörsen. Das heißt, was der User hier eigentlich sucht, ist hohe Liquidität, nämlich dass es niedrige Slippage gibt, reine Trading-Funktionalität sozusagen. Der zweite Bereich ist, dass Stablecoins sehr essenziell sind für Decentralized Finance, also DeFi. Man kann mit Stablecoins in DeFi lukrative Renditen erzielen, über Lending, Borrowing, man kann sie als Pfand, als Kollateral hinterlegen und dadurch attraktive Zinsen erzielen. Das heißt, was der User bei DeFi sucht, ist Yield oder Rendite auf die Stablecoins. Das waren die zwei crypto-nativen Use Cases. Die anderen beiden sind jetzt gar nicht direkt mit Krypto verbunden. Der erste ist einfach Sparen, nämlich dass die User Zugang zu einer gewissen Fiat-Währung suchen, weil sie vielleicht in einem Land leben, das sehr instabile Währungen hat. Und das ist vor allem in Lateinamerika sehr beliebt, ganz vorne natürlich Argentinien, weil sie sehr hohe Inflation hatten. Argentinier versuchen immer, ihr Geld in Dollar zu bekommen, das war im normalen Bankensystem sehr schwierig, über Stablecoins ist das sehr leicht, und ganz viele Argentinier transferieren ihr Gehalt de facto in Stablecoins. Die Türkei hat zum Beispiel auch eine sehr hohe Stablecoin-Adoption dafür. Also generell überall dort, wo Inflation recht hoch ist, setzt sich dieser Use Case sehr stark durch, weil das Problem so eklatant ist. Das ist bei uns nicht der Fall. Das heißt, hier sucht der User eigentlich Zugang zu einer Fiat-Währung, und Krypto ist nur die technologische Möglichkeit, leichten Zugang zu bekommen.

Anton: Vielleicht noch ganz kurz dazu zu unterbrechen: Wir haben uns da in der Vergangenheit auch mit unterschiedlichen Leuten aus diesen Ländern unterhalten, und ich glaube, was für jemanden wie uns aus unseren Breitengraden gar nicht so verständlich ist, ist, dass der Zugang zu US-Dollar oder Euro in diesen Ländern gar nicht so einfach ist, weil auch die Banken diese Gelder nicht vorhalten und sie in Massen nicht umtauschen wollen. Das heißt, es gibt zum Beispiel auch in Argentinien Limite, die in niedrigen Hunderten Dollar pro Tag liegen, die man umwechseln kann. Es ist also nicht so, dass man so schnell aus dem Peso rauskommt. Aufgrund dieser Limitierungen muss man dann vielleicht sogar auf den Schwarzmarkt gehen, und da sind die Umtauschkurse ganz andere und dadurch auch wenig lukrativ. Also da ist wirklich ein riesiger Vorteil der Stablecoins, dass man dieses ganze System umgehen kann.

Martin: Genau. Und der vierte Punkt ist eben die Zahlungsmittelfunktion, die Payment-Funktion. Da bietet der Stablecoin die Funktionalität, soll heißen, man hat die Vorteile von 24/7-Zugang und kann Transaktionen machen, und man hat die niedrigen Kosten und die Möglichkeit, ganz Mini-Beträge zu überweisen. Da kommt auch, das wird erst in der Zukunft kommen, der Begriff von Money Streaming, dass man im Milli- oder Mikrocent-Bereich in Echtzeit Geld transferiert. Da gibt es ganz spannende Möglichkeiten. Aber die Zahlungsmittelfunktion ist riesig, die geht von Treasury Settlements über Länder hinweg. Da muss man auch sagen, diese Vorteile kommen ganz stark zum Tragen, wenn es um länderübergreifende Überweisungen geht und vor allem außerhalb von Europa. Was hier bei Stablecoins unserer Meinung nach nicht so schnell kommen wird, ist, dass wir mit Stablecoins beim Billa oder beim Rewe bezahlen werden, weil hier einfach der Vorteil nicht gegeben ist. Ich kann mit zwei Klicks mit meiner Uhr oder meinem Handy zahlen, das heißt, das ist unrealistisch, da gibt es keinen Mehrwert für den Nutzer. Aber bei internationalem Zahlungsverkehr oder bei Online-Zahlungsmöglichkeiten kommt dieser Vorteil ganz stark zum Tragen. Und etwas, das ist ein Blick in die Zukunft, wovon wir stark ausgehen, ist, dass in der Zukunft gar nicht mehr der Mensch den Großteil der Online-Zahlungen tätigen wird, nämlich KI-Agenten, die im Auftrag von uns gewisse Services in Echtzeit im Internet bezahlen. Da gibt es ganz spannende Entwicklungen, das würde jetzt den Rahmen sprengen, aber gerade hier ist ein riesiger Markt, aber auch der Teil, der am längsten braucht, weil der Go-to-Market, das zu implementieren, da müssen Prozesse in Unternehmen verändert werden, die andere Prioritäten haben. Das wird Zeit benötigen, aber es wird kommen, weil die Vorteile so enorm groß sind, und weil du auch gesagt hast, Stablecoins sind programmierbar, da ist eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten an neuen Use Cases, die sich da öffnen. Das heißt, zusammengefasst: Trading, DeFi, Sparen, also Store of Value, und die Payment-Funktion sind unseres Erachtens die vier Hauptmotive, Stablecoins zu nutzen.

Anton: Vielleicht noch eine ganz kurze Ergänzung, weil du gesagt hast, in Europa macht es wahrscheinlich keinen riesigen Unterschied für uns, mit Stablecoins zu zahlen, zum Beispiel beim Rewe an der Kasse. Für den Nutzer bin ich da voll bei dir. Für den Händler macht es aber einen Unterschied, weil wenn ich mit meiner Kreditkarte dort zahle, dann zahlen die ungefähr eineinhalb bis zwei Prozent Kreditkartengebühr. Das ist natürlich etwas, was sich der Händler sparen kann, weil die Stablecoin-Zahlung ihn nicht so viel kostet. Das wird spannend zu sehen.

Martin: Das ist klar. Aber die Nutzer entscheiden, nicht der Händler. Das heißt, wenn ich nicht zahlen will, dann ist es schön, wenn der Händler möchte, dass ich mit Stablecoin zahle, aber die Nutzer werden das entscheiden. Und da kommen wir gleich nachher zu anderen Themen dazu.

Anton: Gut, kommen wir gleich zur nächsten Frage: Unterschied zwischen zentralen und dezentralen Stablecoins. Ich glaube, man kann das eigentlich an einem Punkt festmachen, und zwar: Wer ist denn eigentlich der Issuer, also der Emittent? Der Emittent ist im Fall einer zentralen Stablecoin entweder ein Unternehmen, so wie wir das kennen, das kann zum Beispiel Tether sein, das ist ein privates Unternehmen, oder Circle, das ist an der Börse gelistet. Im Falle einer dezentralen Stablecoin ist der Emittent ein Kryptoprotokoll, da ist das berühmteste Beispiel sicherlich Sky, vormals Maker. In beiden Fällen gibt der Emittent eine Stablecoin raus und kümmert sich darum, dass die Stablecoin funktioniert, also stabil bleibt. Wenn ich jetzt in das Geschäftsmodell dieses Emittenten investieren will, dann habe ich im Falle von Tether nicht wirklich eine Möglichkeit, weil es eine private Unternehmung ist. Circle kann ich an der Börse kaufen, ist seit Mitte des Jahres gelistet. Und bei einer dezentralen Stablecoin kann ich in den Governance Token von Maker, jetzt Sky, investieren. Und das ist, glaube ich, im Endeffekt der Unterschied.

Martin: Wenn wir da jetzt gleich eine Stufe tiefer gehen und auf die nächste Frage springen, welche Arten von Stablecoins es gibt, kann man die eigentlich grundsätzlich daran festmachen, wie sie sicherstellen wollen, dass die Stablecoin auch wirklich stabil bleibt, also wie die Stablecoin den Peg hält. Und es gibt im Grunde genommen zwei Ansätze. Der eine Ansatz ist über Reserven: Für jede Stablecoin, die im Umlauf ist, gibt es eine Reserve, die sicherstellen soll, dass, wenn diese Stablecoins zurückgegeben werden, die ursprüngliche Fiat-Währung, die an sie gepeggt ist, auch ausgezahlt werden kann. Das sind Collateral-Backed Stablecoins. Jetzt kann man für dieses Kollateral ganz unterschiedliche Assets verwenden, man kann Cash-Instrumente verwenden, Staatsanleihen, Gold, aber natürlich auch Crypto Assets. Bei allem, was volatiler ist, muss die Reserve deutlich höher sein als nur 100 %, weil wenn der Preis mal absackt, dann wäre es im Fall eines Bank Runs auf diese Stablecoin nicht möglich, alle zu bedienen, die ihre Stablecoin wieder zurückgeben und gegen die ursprüngliche Fiat-Währung eintauschen wollen. Das sind die Collateral-Backed Stablecoins, wo wir unterscheiden zwischen Fiat-Backed und Crypto-Backed. Und dann gibt es noch die algorithmischen Stablecoins, wo es im Endeffekt so ist, dass das Protokoll, und hier sind wir dann ausschließlich bei den dezentralen Stablecoins, ähnlich wie eine Zentralbank versucht, über Monetary Tightening und Easing, also die Erhöhung oder Reduktion der Geldumlaufmenge, einen stabilen Wert zu erzielen. So wie eine Zentralbank versucht, einen stabilen Euro oder US-Dollar zu halten, sodass die Inflation nicht durch die Decke geht, würden hier die gleichen Mechanismen angewandt werden, um eine stabile Stablecoin zu garantieren. Man muss sagen, das war bis 2021 ein sehr heißes Thema im Markt, weil es natürlich viel kapitaleffizienter ist als Collateral-Backed Stablecoins. Aber der größte algorithmische Stablecoin, den es bis dato gegeben hat, war UST, also TerraUSD von Terra Luna, und der ist leider komplett in sich kollabiert, und da wurden in Summe über 50 Milliarden vernichtet. Dieses Experiment ist massiv in die Hose gegangen, und seitdem ist es sehr ruhig geworden um algorithmische Stablecoins. Und die, die eine Mischform zwischen algorithmisch und Collateral-Backed dargestellt haben, wie zum Beispiel die Stablecoin von Frax, die ist jetzt auch sukzessive Richtung 100 % Collateral-Backed gegangen. Also dieses Thema scheint tot zu sein. Das heißt, wir werden uns in der weiteren Folge dieses Gesprächs jetzt primär auf die Collateral-Backed Stablecoins konzentrieren.

Anton: Ja, die sind ja auch, glaube ich, in beiden Gesetzen, in der EU und in den USA, nicht erlaubt, die algorithmischen.

Martin: Genau, absolut. Dann kommen wir zur nächsten Frage, nämlich: Was sind eigentlich die größten Stablecoins? Wir hören immer nur die zwei größten, aber schauen wir da einmal rein, wie sich diese Stablecoin-Market-Caps verteilen. In Summe sieht man hier, dass der gesamte Market Cap, also das gesamte Volumen von Stablecoins, aktuell 300 Milliarden Dollar beträgt. Ich habe nachgeschaut, als der GENIUS Act in den USA rausgekommen ist, im Sommer, waren es 250 Milliarden, das heißt, es steigt stetig. Tether ist mit Abstand der größte mit 180 Milliarden, gefolgt von Circle, und beide zusammen machen über 80 % des gesamten Stablecoin-Volumens aus. Und dann haben wir als Nächstes die, die weniger in den Medien sind, nämlich Nummer drei und vier, das sind dezentrale Stablecoins. Da ist Sky USD, den muss man de facto gedanklich mit USDS zusammenzählen, weil das der gleiche Emittent ist, früher hat das Maker geheißen, jetzt heißt es Sky. Kommt ungefähr auf 14 Milliarden, gefolgt von Ethena mit 6 Milliarden, und die vier machen de facto, glaube ich, 91, 92 % aus. Es gibt aber ganz viele, ich habe nachgerechnet, es werden auf dieser Seite 100 verschiedene angezeigt, aber wie gesagt, die Top vier machen 92 % aus, weil hier sehr starke Netzwerkeffekte zum Tragen kommen, dazu kommen wir gleich. So, jetzt schauen wir uns an, in welcher Währung die eigentlich denominiert sind. Großteils natürlich im US-Dollar. Da ist noch ein Chart, auch hier, um das Wachstum von Tether, vom größten Emittenten, zu sehen. Das ist schon eine beeindruckende Kurve, und das sieht man auch, das ist de facto hier 2020, und dann ist es erst wirklich losgegangen, hier war es relativ ruhig, also das steigt enorm stark. So, jetzt zu dem, was ich eigentlich zeigen wollte, nämlich Euro-Stablecoins. Und das ist als Europäer milde gesagt äußerst ernüchternd, nämlich gesamt betragen Euro-basierte Stablecoins aktuell 600 Millionen. Das sind 0,2 % des gesamten Stablecoin-Market-Caps. Und hier ist die absolute Nummer eins mit 50 % innerhalb der Euro-Stablecoins auch Circle, der amerikanische Krypto-Fintech, der auch den Circle USD ausgibt. Und dann sind es Namen, die man wenig kennt, wenn man nicht im Stablecoin-Business aktiv ist. Da ist vielleicht EURCV, EUR CoinVertible, der ist von der Société Générale ausgegeben, die schon vor ein paar Jahren gestartet haben, und dann, vielleicht gerade auch für die deutschen Zuhörer, AllUnity, die im Sommer, glaube ich, gestartet haben, mit 16 oder 18 Millionen. Das ist ein bisschen ernüchternd, muss ich sagen. All diese Stablecoin-Announcements, die es dieses Jahr von verschiedenen Banken, Konsortien, Fintechs gegeben hat, die sind alle noch nicht am Markt, das waren alles Announcements, und die meisten von denen werden 2026 auf den Markt kommen. Das heißt, dieses Bild wird sich in den nächsten Jahren sicherlich stark verändern, und ich hoffe persönlich, und wir hoffen auch, dass die Euro-Stablecoins deutlich aufholen werden.

Anton: Martin, du hast gesagt 0,2 % Euro-Stablecoins. Es ist jetzt nicht so, dass es zum Beispiel Yen-Stablecoins in Massen geben wird oder irgendwelche anderen Währungen. Es ist eigentlich unterm Strich nur US-Dollar.

Martin: Ja, momentan ist es nur US-Dollar. Und da muss man ein bisschen auf diese Motive und Anwendungsfälle zurückkommen. Der größte Bereich ist sicherlich der Payment-Bereich, und wie gesagt, wir glauben, dass das länger dauern wird. Und dann werden natürlich alle Währungen irgendwie ins Spiel kommen. Ich glaube schon, dass die Währungskonstellation in 5 bis 10 Jahren komplett anders ausschauen wird. Aber ob die Dollar-Dominanz hier gebrochen werden kann, ist sehr unwahrscheinlich.

Anton: Sehr fragwürdig, ja. Wie funktioniert jetzt eigentlich der Peg, also die Bindung von diesen Stablecoins an die zugrunde liegende Fiat-Währung? Ich bleibe einfach mal beim Beispiel Dollar. Wir haben eine Dollar-Stablecoin, Tether. Die Idee ist hier, dass ein Tether genau einen US-Dollar wert ist. Das ist aber eigentlich nie der Fall, obwohl Tether auch die stabilste aller Stablecoin-Währungen ist. Das heißt, der Preis ist im Normalfall irgendwo bei 0,999 irgendwas oder 1,001 irgendwas, genau eins ist es nie. Wieso? Na ja, weil es halt unterschiedliche Märkte gibt, und dort gibt es Angebot und Nachfrage. Der Preis auf Coinbase mag ein anderer sein als auf Binance zum Beispiel, das ist irgendwo auch logisch. Und dahinter liegt jetzt mal primär das Vertrauen, dass in dem Fall Tether die Reserven hat, das heißt, dass für jede Tether-Stablecoin zumindest ein US-Dollar irgendwo als Reserve vorgehalten wird. Das ist die Idee. Und dann gibt es zusätzlich einen Burn-and-Mint-Mechanismus, wo User im Endeffekt direkt an Tether herantreten und sagen können, hier habe ich zum Beispiel 100.000 US-Dollar und ich möchte dafür 100.000 Tether minten, oder andersrum, ich bringe 100.000 Tether und ich redeeme die und bekomme dafür 100.000 US-Dollar. Also Tether garantiert mir, wenn ich bei denen sozusagen digital antanze, da muss es eine Mindesthöhe geben, die ich erreichen muss, dass sie mir das entgegennehmen und zum konkreten Wert eins umtauschen. Und das wiederum bedeutet, wenn der Preis auf den Börsen nicht genau eins ist, gibt es Arbitragemöglichkeiten für Player, die sagen, okay, wenn ich zu Tether hingehen kann und für eins kaufe, aber gerade am Markt auf Binance der Kurs bei 1,001 ist, dann kann ich diesen kleinen Prozentsatz als Arbitragemöglichkeit für mich nutzen. Konkret: Sind die Preise auf den Börsen unter eins, kaufen Arbitrageure an der Börse, nehmen in dem Fall die Tether, bringen sie zu Tether und tauschen sie gegen einen Dollar ein und machen damit einen Profit. Sind die Preise an der Börse über eins, wird das Spiel im Reverse abgewickelt, das heißt, man holt sich bei Tether und verkauft dann an der Börse höher. Und genau dieser Mechanismus hält dann auch den Peg am Leben, solange, und das ist ganz wichtig, solange es ein Vertrauen der Marktteilnehmer, der Arbitrageure, gibt, dass der Peg dann auch wiederhergestellt wird. Sollte nämlich irgendetwas Größeres passieren und das auf 0,7, 0,8 runterfallen, wer traut sich dann noch, diese Arbitragemöglichkeit wahrzunehmen, auch wenn sie dann ungleich größer ist? Wie viel Vertrauen ist dann noch da? Es ist also wirklich ein Zusammenspiel aus den Reserven und diesem Arbitragemechanismus, der im besten Fall den Peg erhält.

Martin: Ein gutes Beispiel ist da vielleicht, wann war das, vor zwei Jahren, als die Silicon Valley Bank Konkurs gegangen ist. Circle, der zweitgrößte Anbieter, hatte damals einen Großteil der Reserven auf der Silicon Valley Bank, und dann hat Circle kurzfristig den Peg verloren. Das war quasi durch diese externen Faktoren, die dann Einfluss auf einen wirklich größeren Depeg haben. Und was hier kritisch ist, gerade wenn man in Richtung DeFi-Protokolle denkt: Das Kritische bei Stablecoins ist, dass natürlich jeder die Erwartung hat, dass es genau eins ist, und deswegen können auch kleine Schwankungen kritisch sein. Wenn man über Bitcoin oder Ethereum spricht, weiß jeder Marktteilnehmer, dass das volatil ist, beim Stablecoin geht man davon aus, dass er stabil ist. Deswegen ist es kritisch, dass diese Reserven wirklich nachgewiesen und sicher sind.

Anton: Genau, das ist ein spannender Punkt. Welches Businessmodell steckt dann hinter den Stablecoins für die Emittenten? Und hier bleiben wir wieder beim Beispiel Collateral-Backed Stablecoins. Im Endeffekt ist es so, wie ich schon erwähnt habe, für jede US-Dollar-Stablecoin muss ein US-Dollar in der Reserve vorgehalten werden. Jetzt wäre es aus Sicht des Emittenten ein bisschen dumm, den einfach herumliegen zu lassen, den Dollar. Natürlich viel besser, wenn der Dollar für den Emittenten arbeitet, andersrum formuliert, Zinsen generiert, und diese Zinsen stellen den Umsatz für den Emittenten dar. Das mag vielleicht gar nicht so großartig interessant klingen, weil wir lange Zeit ein Niedrigzinsniveau hatten, das ist in den letzten Jahren angestiegen, jetzt fällt es wieder, aber im Endeffekt sind es ein paar Prozent. Diese paar Prozent können aber massiv viel Geld sein, wenn das Stablecoin-Volumen extrem anwächst, so wie zum Beispiel bei Tether. Tether hat, soweit ich weiß, im Jahr 2024 irgendwie 10 Milliarden Profit gemacht. Natürlich, das war auch ein höheres Zinsniveau, aber es wird getragen durch die Masse von Tether. Und Tether geht her und veranlagt, so wie andere Stablecoin-Provider, seine Reserven, grundlegend mit einer Maßgabe: Es muss zumindest der Wert der Stablecoins abgesichert sein. Das heißt, man sollte hier schon halbwegs risikobewusst herangehen und in sichere Assets investieren. Das sind im Normalfall Cash-Instrumente oder auch Staatsanleihen, die verzinsen sich jetzt nicht exorbitant hoch, aber wie gesagt, die Masse macht es aus. Tether ist sicherlich aufgrund des Erfolges zu einem Zugpferd geworden, Circle ist nachgezogen, sodass viele jetzt sagen, das ist so eine interessante und große Business-Opportunity, da müssen wir auch mitspielen. Und das ruft so viele neue Stablecoin-Emittenten auf den Plan, die jetzt in den Vorbereitungen sind, ihre Stablecoins zu launchen, weil sie diese Business-Opportunity wittern. Aber der Punkt ist, es kommt auf zwei Sachen maßgeblich an: Das eine ist Scale, also Masse, und das andere ist, wie viel Ertrag du mit den Reserven generieren kannst. Und das hängt sehr stark auch von regulatorischen Voraussetzungen ab, die die Emittenten limitieren, in was sie investieren dürfen, dazu kommen wir nachher auch noch, und vom Zinsniveau, das die Zentralbanken vorgeben. Das heißt, Masse und Zinsniveau treiben im Endeffekt das Geschäftsmodell massiv. Und ein Punkt, der ganz wichtig ist, um auf die Masse zu kommen, ist natürlich das Go-to-Market-Modell, die Distribution. Und, Martin, da machst du doch gleich einmal weiter.

Martin: Genau. Jetzt wollen alle an diesem lukrativen, attraktiven Kuchen mitnaschen, wie du gesagt hast, aber so leicht ist das nicht. Wie kriegt man jetzt eigentlich den Stablecoin in den Markt? Und gerade beim aktuell größten Use Case, nämlich Trading und DeFi, gibt es im Endeffekt zwei große Distributionskanäle. Das eine sind die zentralen Kryptobörsen wie Coinbase, Binance etc., und das zweite sind die dezentralen Kryptobörsen beziehungsweise Krypto-Protokolle. Und die haben natürlich den Zugang zu den Usern, und wir haben schon gesagt, Liquidität und Tiefe sind entscheidend. Das heißt, eine Börse hat jetzt kein Interesse, hier 15 verschiedene Dollar-Varianten anzubieten, weil das für die User schlussendlich verwirrend ist und im Endeffekt den Nutzen schmälert. Das heißt, die Börsen verstehen ihre wichtige Rolle in der Distribution hier schon sehr stark, und das lassen sie sich auch bezahlen. Das sieht man wunderbar, wenn man in die Bilanz von Circle reinschaut, nämlich damit Circle USD bei Coinbase gelistet ist, zahlt Circle an Coinbase 50 % der Revenues, die damit verknüpft sind, 50 % der Zinseinnahmen. Und das ist gewaltig. Das heißt, man kann jetzt nicht einfach erwarten, dass ein neuer Stablecoin überall gelistet wird, und wenn ja, dann wird das etwas kosten. Und der andere Bereich, die Stablecoins in die Payment-Infrastruktur reinzubringen, das wird dauern, aber auch da gibt es unterschiedlichste Player. Natürlich, wenn jemand für seinen eigenen Business Case einen Stablecoin launcht, wie zum Beispiel Western Union, die das angekündigt haben, dann ist das natürlich leichter, aber für ein Bankenkonsortium, wenn sie es außerhalb der Bankenverwendung einbringen wollen, wird die große Frage sein, wie erfolgreich das sein wird. Aber hier vielleicht auch zu erwähnen, was unterschätzt wird, sind einfach diese gewaltigen Netzwerkeffekte. Das sieht man auch bei der Dominanz von Tether. Du hast halt so große Vorteile, wenn du hier die Nummer eins bist. An Tether kommt de facto keine Börse vorbei, außer wenn sie Tether nicht listen dürfen, wie teilweise in Europa.

Anton: Dann die nächste Frage: Wo bewegen sich diese Coins jetzt eigentlich? Die kurze Antwort ist, die bewegen sich auf Stablecoins, wie wir auch ganz am Anfang schon gesagt haben. Aktuell ist es so, dass sich wirklich der Großteil aller Stablecoins entweder auf der...

Martin: Coins meinst du.

Anton: Ja, genau, habe ich das nicht gesagt? Na, auf Stablecoins. Natürlich bewegen sich die Stablecoins nicht auf Stablecoins, sondern sie bewegen sich auf den Blockchains, insbesondere auf Ethereum und Solana. Also das ist wirklich der Großteil der Stablecoins aktuell. Und diese Blockchains sind öffentliche Blockchains, was bedeutet, jeder kann sie nützen, jeder kann darauf bauen, keiner kontrolliert sie im klassischen Sinne, sondern jeder kann sie kontrollieren, der sie kontrollieren will. Heißt jetzt im Fall von Ethereum, es gibt über eine Million Nodes, die im Endeffekt dann auch Transaktionen validieren. Also ist wirklich die dezentralste Blockchain, die es da draußen gibt. Wieso erwähne ich das jetzt? Weil es in den letzten Monaten immer mehr Projekte oder auch Unternehmen, Finanzdienstleister gab, die gesagt haben, ja, diese Blockchains wie Ethereum und Solana sind super, aber das ist General Purpose, da kann man alles drauf machen, und Stablecoins brauchen ein paar Dinge vielleicht spezieller ausgerichtet, und es wird Sinn machen, jetzt dedizierte Blockchains zu launchen, die wirklich nur den Use Case Stablecoins abbilden sollen, also zum Beispiel vielleicht nur die Zahlungsmittelfunktion. Und es ist jetzt wahrscheinlich eine Debatte, die zu ausufernd wäre, um zu sagen, da ist jetzt wirklich was dahinter oder nicht. Da gibt es für und wider. Man muss aber eher mal darauf schauen, wer denn diese Ideen vorschlägt. Und das sind, wie ich vorher schon gesagt habe, Unternehmungen, die selber teilweise auch Emittenten sind.

Martin: Also fangen wir an: Circle. Von denen hast du ja auch gerade gesprochen, von deren Geschäftsmodell haben wir auch gesprochen. Die haben jetzt gesagt, sie wollen mit Arc eine eigene Stablecoin-Blockchain launchen. Was das für die bedeutet, ist, sie vertikalisieren sich, sie bauen sozusagen die Infrastruktur, auf der sich ihr Produkt, nämlich die Stablecoins, bewegt. Und damit machen sie sich natürlich unabhängig davon, wie das Zinsniveau ist, weil solange die Stablecoins zumindest auf ihrer Struktur gesettelt werden, verdienen sie über Transaktionsgebühren. Und das ist natürlich spannend und gibt ihnen vielleicht auch andere Möglichkeiten, aber auch andere Herausforderungen in puncto Distribution, wenn sie dann ihre eigene Infrastruktur haben. Ein anderes Beispiel ist Plasma, das ist auch eine Stablecoin-Blockchain, die ist primär ausgelegt auf Tether. Tether ist offiziell da jetzt nicht involviert, aber die ganze Blockchain ist auf Tether ausgelegt, Tether ist in irgendeiner Art und Weise auch investiert, aber es ist jetzt nicht eine Tether-Blockchain per se. Und das dritte Beispiel ist Stripe, also der Zahlungsdienstleister Stripe, der jetzt im Endeffekt auch eine eigene Blockchain lancieren will, mit Tempo, auch mit dem einzigen Use Case, dann die eigene Stablecoin dort abbilden zu können, vielleicht auch andere Stablecoins. Aber für all diese Player gilt eigentlich, sie wollen eine spezialisierte Stablecoin-Blockchain betreiben und sie vertikalisieren ihr eigenes Geschäftsmodell mit diesem Move und machen sich dadurch ein bisschen unabhängiger von diesen Dynamiken, die das Geschäftsmodell sehr maßgeblich beeinflussen.

Anton: Und das ist wahrscheinlich eine sehr spannende Frage, ob sich das durchsetzen wird. Um vielleicht eine kleine Analogie zu verwenden, weil du gesagt hast, die öffentlichen Blockchains wie Ethereum: Man kann sagen, das ist das öffentliche Gut, das öffentliche Schienennetzwerk, und private Emittenten von Stablecoins verwenden dieses Schienennetzwerk. Verwendet man jetzt ein öffentliches Gut, das de facto keinem oder allen gehört, oder will man als Bankenkonsortium auf einer Blockchain etwas bauen, was im Endeffekt stärker von einem Fintech etc. kontrolliert wird? Das ist die große Frage, und es geht eigentlich wieder um Vertrauen. Man muss ja sagen, im Endeffekt hatten wir in der Vergangenheit nie eine andere Möglichkeit, als auf etwas zu bauen, was wem anderen gehört hat. Diese Public-Good-Thematik ist ja eigentlich erst wirklich durch Blockchains möglich geworden, sage ich jetzt mal, weil auch die allerersten Eisenbahnstrecken wurden von Privatunternehmen gebaut.

Martin: Ja, ich glaube, das ist eine philosophische Debatte, die wir an der Stelle wahrscheinlich doch lieber jetzt einmal beenden.

Anton: Genau. Damit kommen wir zur nächsten Frage, nämlich: Wie grenzen sich Stablecoins von zwei anderen Themen ab, die auch immer wieder in den Medien sind, nämlich zum einen tokenisierte Geldmarktfonds und sogenannte Bank Deposit Tokens? Vielleicht zum Ersten, tokenisierte Geldmarktfonds, was ist das im Endeffekt? Da steht schon das Wort Fonds drin. Da war, gerade vor zwei Jahren war es recht prominent, oder ist es noch immer, der Geldmarktfonds von BlackRock, der BUIDL heißt, mittlerweile, glaube ich, zwei bis drei Milliarden, die da als Assets under Management sind. Wenn man da genauer reinschaut, fragt man sich wirklich, was der Unterschied ist, weil im Endeffekt kurzfristige Staatsanleihen dahinter sind und die tokenisierte Einheit einem Dollar entspricht. Und derjenige, der diesen Fonds zeichnet beziehungsweise diese Einheiten hält, der bekommt die Zinsen von diesem Geldmarktfonds. Und dann fragt man sich natürlich, okay, das bewegt sich auf öffentlichen Blockchains, hat die gleichen Vorteile, warum dann ein Stablecoin, wenn man hier etwas de facto fast Ähnliches hat, wo man auch noch Zinsen bekommt? Da gibt es ein paar stärkere Einschränkungen. Zum einen sind diese Fonds Wertpapiere, das ist wichtig, das heißt, da gelten ganz andere gesetzliche Regelungen, unter anderem KYC-Einschränkungen, teilweise nur für institutionelle Investoren etc. Der breite Zugang ist einfach nicht gegeben. Und dann, wenn man noch ein bisschen tiefer reingeht, ist die Motivation ja, dem Investor eine Investmentmöglichkeit zu geben und nicht ein Zahlungsmittel anzubieten. Das ist ein anderes Motiv dahinter, und daher ist auch dieser ganze Peg, den du erwähnt hast, nicht das primäre Ziel, das kann durchaus stärker von einem Dollar abweichen. Das heißt, das bietet sich de facto nicht in gleicher Form wie ein Stablecoin an. Und dann kann man solche Einheiten, glaube ich, zumindest nicht in den Mikrocent-Bereich teilen, ich glaube, das ist sowieso nur eine volle Einheit. Also das sollte man nicht vermischen. Und zum anderen gibt es dann noch das, das auch jetzt ein paar Mal aufgekommen ist, sogenannte Bank Deposit Tokens, vor allem JPMorgan, die das gestartet haben. Da werden im Endeffekt die Bankguthaben, die du bei der Bank hast, tokenisiert und wieder auf dieses Blockchain-Infrastrukturnetzwerk gebracht, um diese ganzen Vorteile des Instant Settlement und der niedrigen Kosten zu nutzen. Und das geht vor allem, wenn es wirklich um globales Treasury Management etc. innerhalb der Bank geht. Aber das ist nicht für die Öffentlichkeit gedacht.

Anton: Gut, und dann ganz kurz digitaler Euro, das ist ein separates Thema, aber weil es auch immer wieder aufkommt: Da weiß man grundsätzlich einmal nicht, wird sich der digitale Euro überhaupt auf einer Blockchain bewegen? Höchstwahrscheinlich nicht, was mein letzter Wissensstand ist. Und wenn, dann ist die Frage auch ein bisschen ähnlich zu diesen Corporate Chains, dass es dann möglicherweise keine öffentliche Blockchain sein wird, wo jeder in den Code, in das Regelwerk einschauen kann, und deswegen entsteht auch diese starke Kritik. Weil es gibt enormen Spielraum durch diese Programmierbarkeit, und da haben viele Angst, dass das irgendwann in der Zukunft vielleicht negative Auswirkungen hat oder negativ verwendet wird. Aber die größte Frage stellt sich auch hier: Der digitale Euro wird eine ähnliche Challenge haben wie auch viele Stablecoins, nämlich wie und warum sollen sie vom Nutzer verwendet werden? Und da wird der digitale Euro einfach vom ganzen Markt eingeschränkt sein, er wird nicht global verwendbar sein und wird nicht auf einer Blockchain verwendet werden können. Das heißt, der ist wirklich nur für den täglichen Zahlungsbedarf, und dann ist die Frage, warum sollen die Leute das verwenden, wenn sie eh mit Apple Pay etc. sehr einfach zahlen können. Wird sich zeigen. Ich glaube, der letzte Zeitplan ist 2029 Rollout, und da ist für mich die Hauptfrage: Okay, wie groß werden Euro-Stablecoins in 2029 sein?

Martin: Und ich glaube, dieses Distributionsthema ist halt auch wichtig. Welche Bank hat denn einen Anreiz, überhaupt den digitalen Euro in Umlauf zu bringen? Ich meine, klar, die EZB kann es verlangen, aber das ist ein guter Punkt, der Incentive wieder. Bei einem privaten Stablecoin von einer Bank oder einem Fintech, die haben ökonomische Anreize, den in Umlauf zu bringen.

Anton: Genau. Wie das funktioniert, wenn das die Zentralbank ausgibt, da habe ich noch keine überzeugende Antwort gehört, aber wir werden sehen. Jetzt sind wir eh schon mit dem halben Fuß im nächsten Thema, nämlich der Regulatorik. Wie werden jetzt Stablecoins reguliert, in den USA und in Europa? In den USA gibt es seit Mitte des Jahres den GENIUS Act, das ist wirklich eine Gesetzgebung rein für Stablecoins, und in Europa werden Stablecoins über die MiCA-Regulierung abgedeckt. Die MiCA-Regulierung ist viel breiter als nur Stablecoins, sie wurde Anfang dieses Jahres im Endeffekt scharf geschaltet, deckt aber Stablecoins auch ab. Und jetzt muss ich gleich sagen, ich bin kein Rechtsanwalt, und man könnte sehr viel über diese zwei Gesetzgebungen sagen, aber wenn ich es für mich persönlich auf den wichtigsten Punkt runterbreche, was der große Unterschied ist, dann ist es der Unterschied der Anforderungen an die Reserven, und das hat weitreichende Auswirkungen. Was meine ich damit? In den USA ist es so, dass es einen ganz klaren und sehr kurzen Katalog an Assets gibt, die in die Reserven reinkommen dürfen, nur in diese Assets darf der Stablecoin-Emittent investieren. Das sind kurzfristige Geldmarktinstrumente und kurzfristige Staatsanleihen, ganz wichtig, nichts mit mehr als drei Monaten Laufzeit. Das ist die USA, das ist der GENIUS Act. Bei MiCA ist es so, dass 30 % der Euro-Stablecoins in Bankeinlagen vorgehalten werden müssen, und für die restlichen 70 % ist die Vorgabe, dass sie in liquide und sichere Instrumente investiert werden sollen. Das klingt sehr stark nach dem, was die Amis vorgeben, ist aber nicht so explizit, weil die Amerikaner einen sehr kurzen Katalog haben, den gibt es in MiCA meines Wissens nicht, das heißt, es gibt ein bisschen mehr Interpretationsspielraum, was darf ich da machen, und es gibt auch keine harte Befristung auf drei Monate. Was das für mich zumindest für die größte Auswirkung hat, ist: Die Amerikaner pushen die Emittenten über diese Reserve-Anforderungen im Endeffekt in Staatsanleihen. Das heißt, die Emittenten müssen amerikanische Staatsanleihen kaufen, und je mehr Volumen diese Stablecoins bekommen, desto größer wird die Reserve, die veranlagt werden soll, und desto größer wird die Nachfrage nach Staatsanleihen. Das heißt, die Amerikaner haben das sehr smart gekoppelt, wie sich eine weitere Adoption von US-Stablecoins auf die Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen auswirkt. Und die sind mittlerweile international doch ein bisschen unter Beschuss gekommen, ich sage mal, die internationale Nachfrage nach US-Staatsanleihen ist heutzutage vielleicht nicht mehr so stark, wie sie schon einmal war, und mit genau diesem strategischen Move können die Amerikaner das konterkarieren. Und das ist wirklich spannend, weil sie am Ende des Tages die Nachfrage für ihre Staatsanleihen von Staaten umwälzen auf Emittenten, und diese Emittenten sind private Unternehmen, die davon profitieren, dass Bürger auf dieser ganzen Welt, ob sie europäisch, afrikanisch, chinesisch oder amerikanisch sind, US-Stablecoins nützen. Und so kann die USA vielleicht, wenn dieser Plan aufgeht, und aktuell schaut es wirklich danach aus, die Dollar-Hegemonie weiter stabilisieren oder vielleicht sogar ausbauen. In Europa ist diese Bindung, wie gesagt, nicht so klar da, weil die Gesetzgebung ein bisschen breiter ist und den Emittenten mehr Spielraum lässt.

Martin: Ja, ist ein interessanter Punkt. Ich glaube, für Entwicklungsländer könnte das wirklich ein Risiko sein, weil der Dollar viel stärker in die lokalen Märkte kommt, man sieht das ja auch an Argentinien. In Europa wird oft gesagt, US-Stablecoins sind eine Gefahr für Europa, das würde ich jetzt nicht sehen, weil welcher Europäer hat ein Interesse, seine Ersparnisse einem Fremdwährungsrisiko auszusetzen? Da muss man schon sehr an den Dollar glauben, mehr als an den Euro, und das ist hoffentlich nicht der Fall. Aber das ist eine politische Debatte, und da steigen wir jetzt nicht weiter ein.

Anton: So, dann kommen wir zu den nächsten zwei Fragen, und das sind jetzt die letzten zwei Fragen, nämlich: als Investor, wie kann man eigentlich an diesem Megatrend Stablecoins in den nächsten Jahren und langfristig partizipieren? Die vielleicht kurze und klare Antwort ist: nicht in Stablecoins investieren, weil die sind eben stable. Manchmal ist es in der öffentlichen Diskussion auch wirklich verwirrend, finde ich. Aber was sind jetzt die Möglichkeiten, da Exposure indirekt zu bekommen? Da bieten sich einmal traditionelle Investmentformen an und dann Krypto-Investmentformen. Die traditionellen Investmentformen sind im Endeffekt, in die jeweiligen Emittenten zu investieren, und eigentlich der einzige öffentlich zugängliche Emittent ist hier Circle, der seit einigen Monaten an der US-Börse gelistet ist. Und dann unterschiedlichste Arten von Fintechs, die meisten von denen sind ja nicht public, die Infrastruktur rund um diese Stablecoins anbieten. Und der dritte Bereich, der wahrscheinlich am stärksten verwässerte, ist, wenn jetzt Banken Stablecoins emittieren und dadurch ihr Geschäftsmodell deutlich verbessern und zusätzliche Einkünfte generieren, dann können die einen oder anderen Banken eventuell auch sehr stark davon profitieren, aber natürlich komplett verwässert mit dem restlichen Geschäftsmodell. Also da hat man sehr wenig Möglichkeiten, wirklich pures Stablecoin-Exposure zu bekommen, außer wirklich Circle in dem Fall.

Martin: Vielleicht auch da noch zu ergänzen, im traditionellen Bereich, die von den herkömmlichen Playern, die jetzt unter Druck geraten, zum Beispiel Zahlungsdienstleister wie Visa oder auch vielleicht Western Union, Mastercard und Co.

Anton: Du meinst, die zu shorten oder was?

Martin: Nicht zu shorten, das ist jetzt nicht der Punkt, alles ist kein Investment, und nichts davon, was wir sagen, ist ein Investment Advice. Ich wollte nur die Kehrseite noch mal kurz aufzeigen. Wenn es die traditionellen Player gibt, die vielleicht profitieren können, gibt es da sicherlich mindestens genauso viele, die durch Stablecoins massiv unter Druck geraten. Also, um da vielleicht zusammenzufassen, die ganze Payment-Industrie wird sehr spannend in den nächsten Jahren, die kann sich fundamental verändern, und jeder, der da Exposure hat, sollte zumindest das Thema Stablecoins sehr stark beobachten.

Anton: Gut, dann kommen wir zum zweiten Bereich, nämlich, da wo wir auch aktiv sind, Crypto Assets, Crypto-Investments.

Martin: Ja, und auch genau hier, gleich wie du das jetzt im traditionellen Markt gesagt hast, die direkteste Möglichkeit, von diesem Stablecoin-Trend zu profitieren, ist, in die dezentralen Emittenten zu investieren, das heißt, in die Governance Token, nicht in die Stablecoin, sondern in die Governance Token der emittierenden Protokolle. Da haben wir heute ja auch schon zwei, drei genannt. Wie gesagt, alles kein Investment, do your own research, aber das ist ein möglicher Bereich, der direkteste.

Anton: Martin, darf ich vielleicht nur einen Punkt dazu erwähnen, weil du Governance Token erwähnt hast: Was teilweise schon in den Projekten interessant ist, ist, dass das eben nicht mehr nur Governance Tokens sind, sondern dass diese Revenues, diese attraktiven Profite, auch in der dezentralen Welt immer öfter an diese Tokenholder ausgeschüttet werden.

Martin: Ja. Ich habe Governance Token jetzt deshalb gesagt, um eine Unterscheidung zu den Stablecoins zu machen, dass es hier auch monetäre, dividendenähnliche Charakteristika in diesen Tokens gibt. Das ist klar. Was ich jetzt sagen wollte, ist: Man kann hier natürlich auf den einen oder anderen Player setzen und hoffen, dass sich gerade der durchsetzt, das ist natürlich super schwierig, und ich war gerade in dieser Analogie, das ist so, wie in Zeiten des wilden Westens zu sagen, das ist genau die eine Mine, die mich jetzt reich machen wird, weil da massiv Gold vorhanden ist, das werde ich dort ausbuddeln können. Vielleicht ist gerade in dieser frühen Phase, in der wir uns im Markt befinden, aber der sichere und bessere Ansatz zu sagen, ich investiere in den Schaufelhersteller, also ich investiere in die zugrunde liegende Infrastruktur, und das sind am Ende des Tages wieder die zugrunde liegenden Blockchains. Das ist die Infrastruktur, auf der die Stablecoins laufen. Hier muss ich mir aber als Investor natürlich auch wieder die Frage stellen, welche Blockchains werden das dann sein, die einen Großteil des Stablecoin-Volumens abgreifen? Denn, und das ist wiederum wichtig zu verstehen aus Investorensicht, je mehr Stablecoins auf diesen Blockchains transferiert werden, desto mehr Transaktionsgebühren fallen für diese Blockchains an. Das bedeutet grundsätzlich Umsatz für deren Geschäftsmodell und natürlich die Ausweitung von Netzwerkeffekten hinsichtlich der DeFi-Protokolle, die auf diesen Blockchains angesiedelt sind, und die Stablecoins können noch viel einfacher in diese DeFi-Protokolle integriert werden, als wenn die DeFi-Protokolle auf einer anderen Blockchain wären. Also das ist sicherlich ein Bereich. Und weil ich DeFi schon angesprochen habe, DeFi ist unserer Meinung nach auch ein Nutznießer von einer stärker werdenden Stablecoin-Adoption, weil wenn mehr und mehr Menschen Stablecoins haben, dann werden mehr und mehr Menschen auch irgendwo den Anreiz verspüren, diese Stablecoins für sich arbeiten zu lassen. Aktuell lassen wir unser Geld am Konto liegen, kriegen dort eine Verzinsung, manchmal besser, manchmal schlechter, in der dezentralen Welt sind die Verzinsungsmöglichkeiten deutlich attraktiver, und ein Schritt weg von Fiat zu Stablecoins auf die Blockchain wäre natürlich ein Boost für diese DeFi-Protokolle, weil sie davon profitieren, dass Menschen ihr Geld für sich arbeiten lassen wollen würden. Das ist aber schon ein bisschen weiter gedacht. Würdest du dann noch irgendwas ergänzen, habe ich irgendwas vergessen?

Anton: Ja, es gibt dann noch das eine oder andere Kryptoprojekt, das auch Infrastruktur für Stablecoins anbietet, vor allem da wahrscheinlich zu erwähnen Chainlink.

Martin: Wobei, du hast gesagt, alle diese Beispiele nennen wir nur, um zu verstehen, welche Rolle sie spielen, nicht, ob das jetzt ein gutes oder schlechtes Investment ist.

Anton: Gut, dann sind wir durch die 15 Fragen durch. Ich hoffe, das hat einen guten Überblick gegeben, wie vielfältig und vielschichtig dieses Thema eigentlich ist. Es ist auf jeden Fall sehr spannend, und wir befinden uns da, wie wahrscheinlich bei vielen Bereichen im Kryptomarkt, an einem Scheideweg, wo wahrscheinlich eine neue Richtung eingeschlagen wird, und das wird sehr spannend, wie viele Emittenten da in den nächsten Jahren auf den Markt kommen und wer sich dann schlussendlich durchsetzt.

Martin: Ja, genau. Was wir auf jeden Fall schon sagen können an der Stelle, ist, dass wir richtig spannende Gäste genau zu diesem Thema bei uns im Podcast haben werden. Wen, werden wir an der Stelle jetzt aber noch nicht verraten, aber vielleicht gibt es ja noch eine vorweihnachtliche Überraschung zu dem Thema. In dem Sinne, schönen Jahresausklang und bis bald.

Die Hosts
Anton Werner
Anton Werner
Co-Founder Fountainhead Digital

Anton Werner begann seine Laufbahn nicht bei Digital Assets – doch jeder Schritt führte ihn dorthin. Statt einer Private-Equity-Karriere zog es ihn 2011 nach Berlin: Er war am Aufbau führender E-Commerce-Unternehmen beteiligt und gründete ein eigenes Travel-Startup, das er erfolgreich verkaufte. Über das klassische (Web2-)Venture-Capital fand er zu Krypto – und erkannte darin nicht nur eine Anlageklasse, sondern das Fundament eines offeneren, faireren Internets. Seine Überzeugung: Krypto ist liquides Venture-Capital, doch ohne disziplinierte, datenbasierte Portfolioverwaltung fressen Volatilität und Emotionen jede Rendite. Bei Fountainhead Digital integriert er Digital Assets für Vermögensverwalter – strukturiert, compliant und risikooptimiert.

Martin Bechter
Martin Bechter
Co-Founder Fountainhead Digital

Martin Bechter beschäftigt sich seit 2017 mit Krypto – anfangs skeptisch, heute überzeugt. Mit über einem Jahrzehnt in Corporate Finance und klassischem (Web2-)Venture-Capital betrachtet er die junge Anlageklasse als Investor, Operator und Stratege zugleich. Vor allem will er eine oft missverstandene Technologie verständlich machen – sachlich, vom Grundprinzip her gedacht und ohne Hype. Als Co-Founder von Fountainhead Digital entwickelt er Krypto-Investmentstrategien für professionelle Anleger.

Ein Podcast unterstützt von Fountainhead.Digital
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