Crypto Review September: Clarity Act gescheitert, SEC liefert trotzdem, Sparkassen starten

Folge #37 · 16. Oktober 2026 · mit Anton Werner & Martin Bechter · 47 Min. · Auf Deutsch

Anton Werner und Martin Bechter: Blackrock: Das Geld der Maschinen

Was bedeutet das Scheitern des Clarity Act für die Crypto-Regulierung in den USA?

Der Clarity Act ist im US-Senat gescheitert, weil am Ende alle Demokraten dagegen gestimmt haben. Die SEC schafft trotzdem kurz danacht wichtige Fakten: Crypto-Verwahrer gelten in den USA jetzt als zugelassene Verwahrer, und ein Token-Rückkauf macht einen Token laut SEC nicht zum Wertpapier, solange das Netzwerk funktioniert. Anton Werner und Martin Bechter ordnen das im Crypto Review September von Crypto im Kontext ein.

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Was passiert, wenn das wichtigste Crypto-Gesetz der USA scheitert und der Markt kaum darauf reagiert?

Genau das war der September. Der Clarity Act ist im Senat gescheitert, doch die SEC schafft per Verordnung trotzdem Fakten, von der Verwahrung bis zu Token-Rückkäufen. Gleichzeitig gehen Sparkassen und Volksbanken mit einem Crypto-Angebot an den Start, und das in einer Phase, in der solche Projekte früher eher auf Eis gelegt wurden. Und BlackRock beschreibt in einem neuen Report, warum KI und Crypto zusammengehören: Stablecoins werden das Geld der Maschinen.

𝐖𝐚𝐬 𝐰𝐢𝐫 𝐛𝐞𝐬𝐩𝐫𝐞𝐜𝐡𝐞𝐧:

🔹 𝐂𝐥𝐚𝐫𝐢𝐭𝐲 𝐀𝐜𝐭 𝐠𝐞𝐬𝐜𝐡𝐞𝐢𝐭𝐞𝐫𝐭: Warum haben am Ende alle Demokraten dagegen gestimmt, und wieso bekommt ausgerechnet die Bankenlobby beim Streit um Zinsen auf Stablecoins genau das Gegenteil von dem, was sie wollte?

🔹 𝐕𝐞𝐫𝐰𝐚𝐡𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐧𝐞𝐮 𝐠𝐞𝐫𝐞𝐠𝐞𝐥𝐭: In den USA gelten Crypto-Verwahrer jetzt als zugelassene Verwahrer. Was nach Formalie klingt, öffnet Vermögensverwaltern und Fonds den direkten Weg in die Assetklasse, ohne Umweg über ETFs oder MicroStrategy.

🔹 𝐓𝐨𝐤𝐞𝐧-𝐁𝐮𝐲𝐛𝐚𝐜𝐤𝐬 𝐞𝐫𝐥𝐚𝐮𝐛𝐭: Laut SEC macht ein Rückkauf einen Token nicht zum Wertpapier, solange das Netzwerk funktioniert. Wir erklären, warum das ökonomisch ähnlich wirkt wie ein Aktienrückkauf und was Uniswap daraus gemacht hat.

🔹 𝐁𝐢𝐭𝐜𝐨𝐢𝐧 𝐛𝐞𝐢 𝐝𝐞𝐫 𝐇𝐚𝐮𝐬𝐛𝐚𝐧𝐤: Sparkassen und Volksbanken bieten Crypto an, die Deutsche Bank plant noch 2026 Custody für institutionelle Kunden. Wer braucht das, wenn es längst spezialisierte Plattformen gibt? Da sind wir uns nicht ganz einig.

🔹 𝐍𝐚𝐜𝐡𝐟𝐫𝐚𝐠𝐞 𝐨𝐡𝐧𝐞 𝐊𝐚𝐮𝐟𝐚𝐛𝐬𝐢𝐜𝐡𝐭 : Jede tokenisierte Aktie und jeder Stablecoin bewegt sich auf einer Blockchain, die ohne ihr eigenes Crypto Asset nicht funktioniert. Warum entsteht daraus Nachfrage, ganz ohne dass jemand investieren will?

🔹 𝐃𝐚𝐬 𝐆𝐞𝐥𝐝 𝐝𝐞𝐫 𝐌𝐚𝐬𝐜𝐡𝐢𝐧𝐞𝐧: BlackRock hat im September einen Report zu KI und Crypto veröffentlicht. Unsere Lesart: Tokenisierung bringt die Assets auf die Blockchain, Stablecoins das Geld und KI Agenten die Automatisierung.

Außerdem im September:
🔹 Morgan Stanley eröffnet ein eigenes Crypto Lab und erforscht dort DeFi-Vaults.
🔹 Apple und Google suchen per Stellenanzeige Leute mit Stablecoin-Know-how.
🔹 Coinbase bringt Stablecoin-Zahlungen zu amerikanischen Regionalbanken.
🔹 Aave akzeptiert tokenisierte Aktien als Pfand für Kredite.
🔹 Japan erklärt Onchain-Finance zum Regierungsprogramm, Südkorea schafft den Rechtsrahmen für Tokenisierung.

🎙 𝐉𝐞𝐭𝐳𝐭 𝐚𝐛𝐨𝐧𝐧𝐢𝐞𝐫𝐞𝐧.

Würdest du Bitcoin eher bei deiner Hausbank kaufen oder bei einer spezialisierten Plattform?

Im O-Ton

Wir können davon ausgehen, dass früher oder später Stablecoins in Apple Pay und Google Pay integriert werden können
Martin BechterCo-Founder Fountainhead Digital
Je mehr tokenisiert wird, je mehr Stablecoins kommen werden, desto mehr Transaktionen finden statt, und das führt zu einer nativen Nachfrage nach den zugrundeliegenden Crypto Assets.
Anton WernerCo-Founder Fountainhead Digital
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Martin0:33

Anton, wir haben bei Crypto im Kontext eine kleine Pause eingelegt, reisebedingt und auch krankheitsbedingt. Aber jetzt starten wir wieder voll durch, nämlich mit einem Review vom Monat September. Für alle, die den Markt nicht täglich verfolgen, so wie wir, soll das eine kompakte Übersicht geben: sowohl mit Blick auf die Adoption der Technologie und der Assetklasse als auch als High-Level-Überblick, wie sich der Markt eigentlich entwickelt hat. Und damit wollen wir gleich starten.

Anton1:05

Ja, ich würde sagen, grundsätzlich positiv. Im August ist der ganze Markt um plus 20 Prozent raufgegangen. Diese Richtung hat sich fortgesetzt, wenn auch etwas schaumgebremst, was man durchaus als positives Indiz werten darf, dass nicht gleich eine starke Korrektur gekommen ist. Bitcoin 6,5 Prozent drauf, Ethereum knapp 9 Prozent drauf. Und spannend: der Rest, also alles, was nicht Bitcoin und Ethereum ist, noch einmal deutlich höher mit 10 Prozent. Year to date sind die Letztgenannten noch die Einzigen, die tatsächlich eine positive Performance zeigen.

Anton1:37

Ich glaube, das ist schon etwas Besonderes, was man in den vergangenen Jahren so vielleicht nicht gesehen hat. Da war es doch meist so, dass sich die kleineren Assets als Letztes bewegt haben, dass also Bitcoin und Ethereum vorangemarschiert sind. Hier sehen wir zunehmend eine Entkoppelung im Markt, eine Entkoppelung von Assets, die fundamental stark sind, wo also ein gut funktionierendes Geschäftsmodell dahinterliegt und wo auch die Tokenomics passen. Tokenomics sind ja auch sehr stark davon abhängig, was regulatorisch erlaubt ist und was nicht. Aber da kommen wir später noch dazu.

Martin2:13

Ich habe witzigerweise gerade gestern wieder ein Gespräch gehabt, in dem ich mit jemandem ganz kurz über Krypto gesprochen habe, und der hat gesagt: Ja, das sind alles Währungen, hinter denen eigentlich nichts steht. Die klassische Aussage. Das erwähne ich, weil das bei vielen noch immer sehr, sehr stark verankert ist: dass hinter diesen Krypto-Assets, weil sie glauben, das seien Währungen, nichts steht. Und das kann eigentlich nicht falscher sein. Man sieht einfach immer stärker, wenn man sich näher damit beschäftigt, was da in einzelnen Geschäftsmodellen für eine Substanz dahintersteht. Und es schaut so aus, als würde der Markt das jetzt auch schrittweise sehen.

Anton2:57

Ja, das ist ja auch etwas, was wir schon lange sagen. Das ist einfach ein Schritt der Professionalisierung des Marktes, der Marktteilnehmer, der Investoren, und damit kommt auch eine stärkere Differenzierung der Assets. Es macht ja grundsätzlich überhaupt keinen Sinn, dass diese Assets, die so unterschiedlich sind, in der Vergangenheit eine hohe Korrelation miteinander hatten. Aber das hat man ja auch beim Neuen Markt Anfang der 2000er gesehen, da ist auch alles rauf und alles runtergegangen, weil der Markt es einfach noch nicht differenzieren konnte. Der Markt lernt dazu, auch wenn es ein bisschen länger dauert, und jetzt sieht man schon die ersten Anzeichen dafür, dass diese Gleichbewegung aufbricht. Gleichwohl muss man sagen: Wenn es runtergeht, ist die Korrelation doch meistens noch recht hoch.

Martin3:37

Gut, wie schaut es aus mit ETF-Zuflüssen? Ein Indikator, der trotzdem ein gutes Bild über den Appetit auf die Assetklasse gibt.

Anton3:48

Ja, year to date sind wir jetzt positiv, wir blenden es hier ein. Das Spannende ist eigentlich das Verhältnis zwischen Bitcoin und Ethereum: Der Marktwert steht ungefähr 5 zu 1 zugunsten Bitcoins. Hier sieht man aber überproportional starke Zuflüsse für den Ethereum-ETF, wenn man die Größe mit einbezieht. Und das ist schon auch ein interessanter Wink mit dem Zaunpfahl, dass die traditionelle Finanzbranche zusehends versteht: Wenn sie mit Tokenisierung und Stablecoins auf diese Infrastruktur bauen, nämlich auf Ethereum, dann brauchen sie auch Exposure zu diesem Asset, weil sie nur dann auch Teil der Lösung für die Sicherheitsthematik von Ethereum werden. Darüber haben wir schon öfter gesprochen, und das ist wohl eine Erkenntnis, die sich unserer Meinung nach in Zukunft immer stärker durchsetzen wird. Vielleicht sieht man hier erste Indizien dafür.

Martin4:46

Das deckt sich eigentlich auch ganz gut mit dem, was wir letzte Woche in Singapur gehört haben. Wir waren auf der Token2049, das ist die größte Kryptokonferenz der Welt. Im Endeffekt waren da drei große Themen, die auf allen Events und auf allen Panels immer wieder aufgekommen sind: Tokenisierung, Stablecoins und zunehmend, darauf werden wir später noch kommen, diese Convergence, dieses Zusammenkommen von KI und Krypto. All diese Themen werden nur in sehr geringem Ausmaß von Bitcoin abgedeckt, aber vom Rest. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum bei Ethereum jetzt deutlich mehr Zuflüsse da sind. Aber das ist noch zu früh, um da wirklich urteilen zu können.

Martin5:40

Gut, im September war ein Thema nach wie vor sehr dominant, im positiven Sinne, nämlich Regulatorik, vor allem in den USA. Der Clarity Act ist ja nicht gekommen. Warum?

Anton5:55

Ja, das ist eigentlich spannend. Die Abstimmung im Senat war am 15. September, also ungefähr einen Monat ist es her, und irgendwie fühlt sich das schon extrem weit in der Vergangenheit an. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber so, wie du es gesagt hast: Gekommen ist er nicht. Ich glaube, die Erwartungshaltung im Vorfeld war ohnehin durchaus schaumgebremst, wenn man sich die Wahrscheinlichkeiten auf Polymarket und Co. angeschaut hat. So wirklich geglaubt hat da keiner, dass es durchgeht. Das Resultat war dann vielleicht dahingehend ein bisschen überraschend, dass alle Demokraten dagegen gestimmt haben, sogar diejenigen, die bis in die letzten Sekunden vor der Abstimmung versucht haben, irgendwo einen Kompromiss herbeizuführen. Das heißt, die Demokraten haben geschlossen dagegen gestimmt, ein paar Republikaner sind übergelaufen, und ich glaube, am Ende des Tages ist es 50 zu 49 ausgegangen. 60 hätten die Republikaner gebraucht.

Anton6:48

Das heißt, der Clarity Act ist im ersten Schritt nicht gekommen. Das Wichtige ist aber diese Formulierung "im ersten Schritt": Es heißt nicht, dass das Ding komplett tot ist. Bis zu den Midterms wird jetzt wieder einmal fix nichts passieren. Nach den Midterms, in dieser sogenannten Lame-Duck-Session, in der manche Senatoren schon wissen, dass sie eigentlich draußen sind, und trotzdem noch abstimmen können, gäbe es theoretisch die Möglichkeit. Wobei auch hier die Wahrscheinlichkeiten nicht gut ausschauen. Und wenn es dann in 2027 hineingeht, dann gibt es schon eine neue Senatsbesetzung, und dann muss das Ding komplett wieder von Neuem aufgerollt werden.

Martin7:23

Zwei Gedanken oder Kommentare dazu. Zum einen bin ich froh, dass das endlich vorbei ist, unter Anführungszeichen. Ich bin mir ja schon, und wahrscheinlich geht es dir ähnlich, wie ein Hobbyexperte in US-Gesetzgebung vorgekommen. Ich glaube, viele in der Kryptoindustrie, auch Amerikaner, haben über viele Dinge neu erfahren, wie eigentlich Gesetze entstehen. Wir haben diesen Clarity Act fast wie ein Wahlergebnis verfolgt, das ja auch live übertragen wurde, also schon irgendwie verrückt. Aber ich glaube, viele sind froh, dass jetzt, auch wenn es negativ ist, Klarheit herrscht. Und es ist gar nicht so negativ, dazu kommen wir gleich.

Martin8:02

Was aber schon erstaunlich ist: dass eigentlich alle Demokraten dagegen gestimmt haben, obwohl ja eigentlich alles, was sie fordern, in großen Teilen in diesem Gesetz abgedeckt ist. Jetzt kommt das Gesetz nicht, und sie haben de facto nichts bekommen. Die Industrie hat nichts bekommen, nämlich endlich Klarheit, aber auch all die Forderungen der Demokraten, die in vielen Bereichen ja berechtigt sind, sind jetzt nicht da.

Martin8:33

Einer der markantesten Streitpunkte waren die Zinsen auf Stablecoins. Die Bankenlobby hat massiv interveniert und wollte im Clarity Act inkludieren, dass Plattformen wie Coinbase ihren Usern keine Zinsen auf das Halten von Stablecoins auszahlen dürfen. Und jetzt kommt das Kuriose: Diese Zinsen sind unter dem jetzigen GENIUS Act grundsätzlich erlaubt, das ist das Gesetz, das Stablecoins regelt. Das heißt, aktuell sind Zinsen unter dem GENIUS Act erlaubt. Wäre der Clarity Act gekommen, dann wäre das stark limitiert gewesen. Was hat also die ganze Bankenindustrie jetzt? Genau das Gegenteil. Das ist schon skurril. Und Coinbase hat dann, etwas provozierend, glaube ich am Tag danach oder zwei Tage später, die Zinsen auf US-Dollar-Stablecoins deutlich erhöht.

Anton9:42

Ja, so wie du sagst, geholfen ist eigentlich keinem dadurch, dass der Clarity Act nicht gekommen ist. Das heißt aber wiederum, dass es genug Gründe und Argumente gibt, das Ding so schnell wie möglich wieder aufzunehmen, sei es dieses Jahr oder dann unter komplett neuen Voraussetzungen nächstes Jahr.

Anton10:03

Aber, das hast du ja auch schon erwähnt, das Ganze ist gar nicht so negativ, wie man es im Vorfeld vielleicht erwarten hätte können. Der Markt hat sich ja auch nur sehr geringfügig auf diese News bewegt, unter anderem auch deshalb, weil die SEC und die CFTC in den Tagen darauf herausgekommen sind und gesagt haben: Okay, wir haben halt keinen Clarity Act, dann machen wir das jetzt eben über Rule Making und schaffen mit behördlichen Verordnungen Rechtsklarheit. Und das war schon ziemlich beeindruckend, mit welcher Schnelligkeit und auch Zielstrebigkeit insbesondere die SEC da vorangeschritten ist.

Martin10:49

Genau. Bevor wir jetzt zu den einzelnen Punkten kommen, das sind einige scheinbar kleine, aber doch sehr große Änderungen, vielleicht nur ein Kommentar zum Clarity Act. Was hier wieder einmal bewiesen wurde: Obwohl viele immer wieder Optimismus ausgestrahlt haben, hat einer definitiv über die meiste Zeit recht gehabt, nämlich Polymarket, also die Prediction Markets. Die Wahrscheinlichkeiten waren dort über Monate äußerst gering, und das hat sich im Endeffekt bewahrheitet. Ich glaube, auf Prediction Markets werden wir generell bei vielen Ereignissen stärker schauen.

Martin11:20

Aber jetzt zu den positiven Rule Makings der SEC. Was war das Erste hier?

Anton11:36

Das hatten wir eigentlich im letzten Podcast schon erwähnt, aber wir sollten es noch einmal erwähnen, weil es am 1. September herausgekommen ist: ein ziemlich umfassendes 400-Seiten-Proposal der SEC. Hier ist noch keine Entscheidung gefallen. Was regelt es? Die sogenannten Transfer Agents, das sind die, die im Endeffekt dokumentieren, wer in den USA welche Aktie besitzt. Und zwar, dass eine Blockchain, eine öffentliche Blockchain, de facto auch als zulässige Datenbank für diese Dokumentation der Aktien herangezogen werden kann.

Anton12:19

Das heißt im Endeffekt genau das, was Paul Atkins, der Chef der SEC, schon vor einem Jahr angekündigt hat: dass die SEC alles tun wird, damit das amerikanische Regelwerk, das extrem kompliziert ist, upgedatet wird, sodass der US-Finanzmarkt on chain kommen kann, dass also der Finanzmarkt tokenisiert wird beziehungsweise alle Assets tokenisiert werden können. Und eine fundamentale Voraussetzung dafür ist, dass diese Transfer Agents Blockchains hier mit einbeziehen können. Das Interessante ist: Das Gesetz dahinter ist aus den 1970er-Jahren und wurde seitdem nie aktualisiert. Das heißt, es passt einfach nicht für diese neue Technologie und Assetklasse. Das wird jetzt kommen, aber es ist noch in einem Vorschlagsprozess. Es gibt jetzt eine Kommentarperiode von zwei Monaten, in der Marktteilnehmer Feedback geben können, und mehr oder weniger wird das erst frühestens in der ersten Hälfte 2027 in Kraft treten oder wirksam werden können.

Anton13:25

Was da auch wichtig ist zu verstehen: Tokenisierte Aktien, wie wir sie aktuell haben, sind ja wirklich nur digitale Zwillinge. Da ist es tatsächlich so, dass der Issuer dieser tokenisierten Aktien die Aktie selber noch verwahrt und hält, und der Transfer Agent sagt: Ja, der hat sie noch. Und die Token bilden dann sozusagen einen digitalen Zwilling dieser eigentlichen Aktien, und die können sich die ganze Zeit bewegen, während die realen Aktien weiter beim Issuer liegen und vom Transfer Agent als Eigentum recordet werden. Und das ist genau das, was sich da ändern soll. Das wäre der notwendige Schritt, damit die tokenisierten Aktien dann auch wirklich die realen Aktien darstellen, wenn sie auf der Blockchain sind.

Martin14:13

Ja, und ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere denkt: Boah, das ist jetzt aber schon ziemlich technisch und vielleicht sogar super langweilig. Aber es sind genau diese kleinen, nitty-gritty Gesetze, die einfach veraltet sind, so wie du sagst, und die upgedatet werden müssen, und die jedes für sich einen teilweise wirklich sehr großen Unlock darstellen können. Und da gab es ja gleich noch eine nächste, nämlich die Innovation Exemption, die genau wiederum in diese Kerbe schlägt.

Anton14:37

Genau. Die Innovation Exemption geht einen Schritt weiter, nämlich dahin, dass tokenisierte Aktien oder klassische Finanzinstrumente auch in dezentralen Finanzapplikationen, also DeFi, zur Anwendung kommen können. Es gibt da eine mittlerweile sehr erprobte Technologie, das nennt sich Automated Market Maker. Federführend war hier Uniswap, die das entwickelt haben: dass dezentrale Liquiditätspools de facto einen hocheffizienten Handel oder Tausch von Assets ermöglichen. Bisher war das, sagen wir, in den letzten sieben Jahren rein auf Crypto Assets beschränkt. Und jetzt, wenn die Assets zunehmend tokenisiert werden, kommen auch diese Assets on chain, und die sind logischerweise um ein Vielfaches größer als der Kryptomarkt, und kommen dann auch in DeFi zur Anwendung. Da sehen wir schon regelmäßig neue Beispiele, eines werden wir auch gleich später erwähnen.

Martin15:43

Gibt es da sonst noch etwas?

Anton15:50

Ja, wichtig ist: Diese Innovation Exemption ist eigentlich wie eine Sandbox, sodass traditionelle Finanzhäuser mit der Technologie Krypto, im Wesentlichen hier jetzt DeFi, experimentieren und sie nutzen können, ohne dass die Gesetzgebung zu 100 Prozent perfekt ist, aber in einem rechtssicheren Rahmen. Diese Exemption ist auf fünf Jahre limitiert, bis September 2031, und soll helfen, dass der traditionelle Finanzmarkt diese Technologie anwendet und die Konsumenten dadurch von besseren Märkten profitieren.

Anton16:34

Dann, ein paar Tage später, ist die SEC noch einen Schritt weitergegangen und hat ihre FAQs zum Thema Krypto aktualisiert. Auch das klingt jetzt irgendwie komplett nichtssagend und irrelevant, aber was sie in dieser Aktualisierung klargestellt haben, ist: Token-Buybacks machen einen Token nicht zu einem Wertpapier, wenn das Netzwerk schon funktionsfähig ist. Und das hat tatsächlich eine extreme Auswirkung auf den Kryptomarkt.

Anton17:04

Vielleicht hier ganz kurz eine Erklärung. Jeder, der eine Aktie kauft, weiß, dass er am Ende des Tages Teileigentümer des Geschäftsmodells ist und ökonomisch vom Erfolg oder Misserfolg des Geschäftsmodells profitiert. In Krypto ist das nicht so klar. In Krypto kann ein Geschäftsmodell sehr stark florieren, aber der Wert, der hier seitens der User generiert wird, kann vielleicht nicht in das Protokoll überführt werden. Und auch wenn er das tut, kann vielleicht die letzte Meile brechen, nämlich die Wertüberführung in den Token. Am Ende des Tages ist die Frage: Wenn das Geschäftsmodell gut funktioniert, wie kann denn der Token eigentlich davon profitieren?

Anton17:54

In der Vergangenheit war es tatsächlich so, dass sehr, sehr viele Projekte, insbesondere DeFi-Projekte, die sehr starke Fundamentals hatten und auf Protokollebene sehr gute Umsätze gemacht haben, eben diesen Link nicht darstellen konnten, weil sie Angst hatten, dadurch von der vormaligen SEC als Security, also als Wertpapier, klassifiziert zu werden, was wiederum extrem negative rechtliche Auswirkungen für sie gehabt hätte. Und mit dieser Klarstellung der SEC und von Atkins ist dieses Zeitalter vorbei.

Anton18:27

Das heißt, fundamental starke Projekte können jetzt über Token-Buybacks am Ende des Tages einen Link zwischen dem Erfolg des Geschäftsmodells und dem Token darstellen. Konkret heißt das, dass ein Teil der Umsätze des Protokolls dazu verwendet wird, Token am freien Markt zurückzukaufen. Manche verbrennen die Token dann auch, vernichten sie also, aber ökonomisch ist es sehr ähnlich wie ein Aktienrückkauf. Und das stellt eben den Link dar zwischen dem Erfolg des Geschäftsmodells und dem Token, weil höherer Umsatz höhere Rückkäufe bedeutet und das wiederum weniger Free Float. Und das ist, wie gesagt, nur eines dieser Beispiele, die vielleicht nerdig klingen, vielleicht irrelevant klingen, am Ende des Tages aber doch einen ziemlich großen Impact auf die Branche haben.

Martin19:16

Am besten sichtbar ist es eigentlich, zusammengefasst, zum Beispiel bei Uniswap. Die wurden als quasi illegaler, nicht lizenzierter Börsenplatz geklagt. Und sie wurden von der Kryptoindustrie immer wieder als komplett wertloser Token abgetan, weil der Token außer Governance keine ökonomische Relevanz hatte. Und das war nicht Absicht, das war regulatorisch bedingt. Uniswap ist dann schrittweise hinausgegangen und hat über eine Governance-Entscheidung den sogenannten Fee Switch aktiviert. Das hat dazu geführt, dass sie im Endeffekt die Token der letzten Jahre geburnt haben, in Summe fast 100 Millionen Dollar, und jetzt monatlich ziemlich große Summen. Das zeigt eigentlich, wie sehr der Regulator das Potenzial dieser Assets zurückgehalten hat. Das wird sich jetzt schrittweise weiter verbessern, und wir werden zu dieser Thematik, Value Accrual heißt das in Krypto, ohnehin auch einmal spezifisch eine Folge machen, weil wir denken, dass das ein sehr fundamentales Thema ist, um sinnvolle Investmententscheidungen treffen zu können.

Anton20:27

Jetzt haben wir noch eine Verordnung, die die SEC im September erlassen hat, und da geht es um die Verwahrung von Crypto Assets. Man muss sich vorstellen, dass das in den USA bis dato de facto so geregelt war, dass jeder Vermögensverwalter oder RIA das Geld seiner Kunden nicht selbst aufbewahren oder verwahren darf. Da braucht es zugelassene Verwahrer, und das waren bis dato einfach nur Banken und Broker. So will man sicherstellen, dass der Verwalter nicht einfach mit dem Kundengeld verschwindet. Das Problem ist nur, dass diese zugelassenen Verwahrer wie Banken in der Vergangenheit so gut wie überhaupt keine Kryptoverwahrung angeboten haben.

Anton21:15

Da gab es und gibt es noch immer spezialisierte Unternehmen, insbesondere aus dem Kryptobereich, die diese Verwahrservices erbracht haben. BitGo ist einer, Coinbase Custody ist ein zweiter bekannter Name. Und die galten halt nicht als zugelassene Verwahrer. Das ist wiederum so ein Beispiel, wo man sagt: Man hat ein Gesetz, das einfach veraltet ist und die Realität nicht mehr so abbildet, wie es sie abbilden sollte. Und da ist die SEC hergegangen und hat gesagt: Okay, also natürlich gelten auch Kryptoverwahrer als zugelassene Verwahrer. Und das löst jetzt im Endeffekt diese Verwahrproblematik für Vermögensverwaltung und Fonds.

Anton21:48

Die haben in der Vergangenheit natürlich gesagt: Gut, wenn wir keinen Verwahrer haben, können wir das nicht angreifen, können wir da nicht hineininvestieren. Und sind dann meistens entweder den Weg gegangen zu sagen, wir machen es überhaupt nicht, oder wir gehen über MicroStrategy, und seit es die ETFs gibt, über die ETFs, weil die ja schon eine Verwahrlösung im Product Offering integriert hatten. Aber jetzt können sie das auch direkt selber lösen, indem ein RIA sagt: Ja, okay, dann investiere ich direkt in Bitcoin, und meine Bitcoin liegen halt bei Coinbase Custody. Das heißt, das öffnet wirklich den Zugang für institutionelle Investoren zu dieser Assetklasse und ist wiederum eine Verordnung der SEC, die mittel- bis langfristig einen sehr starken Hebel haben kann.

Martin22:43

Okay, das hat sich alles rein in den USA getan, einzig im Monat September. Mal sehen, was da noch alles kommt, es wird sicher nicht dabei bleiben. Aber das sind grundsätzlich extrem positive Entwicklungen. Es dreht sich aber auch nicht alles um die USA. Gerade in Asien, wo wir auch gerade herkommen, tut sich ja auch recht viel. Japan.

Anton23:03

Genau. Japan hat Onchain Finance als offiziellen Schwerpunkt im Regierungsprogramm definiert und will im Endeffekt den gesamten Finanzmarkt transformieren. Das klingt eigentlich genau gleich wie beim amerikanischen Kapitalmarkt: Der Finanzmarkt wird quasi auf eine neue Ära vorbereitet, und die findet auf Blockchains statt.

Anton23:30

Auch Südkorea setzt hier deutliche Akzente. Die haben kürzlich bereits, kann man sagen, so etwas wie das MiCA-Gesetz von Südkorea verabschiedet, wo im Endeffekt Klarheit geschaffen wurde. Sie setzen jetzt aber auch ganz stark auf Tokenisierung, sodass ganz ähnlich alle Wertpapiere, alle Finanzinstrumente de facto in einem rechtlich sicheren Rahmen tokenisiert werden können. Das ist, glaube ich, bereits beschlossen und tritt im Februar 2027 in Kraft. Und da gibt es auch schon einige Marktteilnehmer, die sich darauf vorbereiten. Ich habe jetzt nicht den Namen bei der Hand, aber ein großer südkoreanischer Finanzdienstleister baut zum Beispiel gerade einen Marktplatz auf der Avalanche-Blockchain.

Martin24:21

Und der südkoreanische Markt ist natürlich auch ein großer Markt, ein sehr aktiver Privatanlegermarkt.

Anton24:28

Ja, genau. Und das ist grundsätzlich ein sehr investmentaffiner Markt, sagen wir so, nicht nur in Krypto. Und last but not least das EU-Pilotregime. Da gibt es jetzt keine konkreten Nachrichten, aber auch hier gibt es einzelne Vorstöße, dass das weiterentwickelt wird, weil es aus Sicht vieler momentan zu restriktiv ist in Europa. Aber vielleicht machen wir dazu einmal eine spezielle Session, weil wir da aktuell nicht in der Tiefe drin sind. So, genug Regulatorik, würde ich sagen.

Martin25:08

Ja, bitte. Lass uns zur Assetklasse gehen. Wer investiert in Krypto? Da hat sich ja sogar auch in Deutschland ein bisschen was getan. Oh Wunder, oh Wunder.

Anton25:16

Genau, die Sparkassen. Darüber haben wir ohnehin schon öfter berichtet. Die Sparkassen gehen jetzt in diesen Tagen, wohl Mitte Oktober, mit dem Kryptoangebot live. Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ich glaube, 40 Millionen Sparkassenkunden können damit de facto Zugang zu Krypto direkt über das Bankkonto haben. Ähnlich wie wir es schon von der Raiffeisengruppe in Österreich gesehen haben, geht jetzt die ganze Sparkassengruppe voran. Die Volksbankengruppe ist ja teils schon live damit.

Anton25:50

Was da wirklich spannend ist: Das sind wirklich Traditionsbanken, die hier Krypto integrieren. Und wir haben es öfter erwähnt, ich würde sagen, wir sind noch immer in einem Bärenmarkt. Schauen wir einmal, ob er zu Ende ist, ob wir schon im Frühling sind. Aber was ich sagen wollte: Solche Corporate-Projekte wurden in der Vergangenheit normalerweise im Bullenmarkt angestoßen, weil dann der Markt heiß ist, und im Bärenmarkt werden sie dann teilweise on hold gesetzt oder komplett eingestampft. Und das war in den letzten zwei Jahren überhaupt nicht der Fall. Egal, mit wem wir sprechen, ganz im Gegenteil, diese Projekte werden deutlich vorangetrieben. Sparkassen und Volksbankengruppe in Deutschland sind ein gutes Beispiel.

Martin26:39

Ja, interessant ist, dass die genau fünf Assets kaufbar machen, nämlich Bitcoin, Ethereum, XRP, also Ripple, Solana und Polygon. Wieso gerade diese fünf, bleibt für uns wahrscheinlich ein Buch mit sieben Siegeln, erklären kann man das, glaube ich, sehr schwer. Wäre interessant, einmal mit demjenigen zu sprechen, der diese Entscheidung getroffen hat. Aber es ist zumindest ein Schritt. Man kann aus Kundensicht sagen: Was bringt es denen, wenn es gefühlt schon 15 andere Plattformen in Europa gibt, wo die UI, die UX und auch die Kosten für die Kunden wahrscheinlich deutlich besser sind? Klingt für mich eher ein bisschen nach einem defensiven Move: Ich muss da mitspielen. Ich weiß jetzt nicht, wie viele Kunden tatsächlich darauf angewiesen sind, Krypto unbedingt bei ihrer Hausbank zu kaufen.

Anton27:36

Mein Punkt ist schon: Ich glaube, das kann relevant sein, sofern wir wieder in ein positives Marktumfeld kommen, einen sogenannten Bullenmarkt, wenn der Markt wirklich wieder heiß ist und Krypto wieder mehr in der breiten Medienlandschaft präsent ist. Positiv, nicht so wie in den letzten ein, zwei Jahren meistens negativ. Wenn das kommt, dann ist das Umfeld schon ein ganz anderes als vor vier Jahren. Vor vier Jahren hat ein Durchschnittsbürger vielleicht am Stammtisch gehört, ja, Krypto sollte man haben, was meistens der schlechte Zeitpunkt ist, aber egal. Dann hat er vielleicht seinen Banker gefragt, und der hat gesagt: Ja, das haben wir nicht, oder das tun wir nicht. Und dann werden viele einfach abgesprungen sein und kein Coinbase-Konto oder Bitpanda-Konto eröffnet haben.

Martin28:25

Ich bin schon bei dir, dass es den Zugang zu dieser Assetklasse verbreitert. Ich würde halt gegenhalten: Welcher Kunde ist darauf angewiesen, das gerade jetzt bei der Sparkasse, bei seiner Hausbank, zu machen, und kann das nicht über die Bitpanda, Kraken, Coinbase, Scalable und Co. dieser Welt machen?

Anton28:46

Ja, wir nicht, aber mein Vater. Mein Vater schon.

Martin28:50

Ich wollte gerade sagen: Da bleibt jetzt nur die Boomer-Generation über. Und ob das jetzt die sein wird, die in den nächsten zwei Jahren FOMO bekommt und in Krypto hineingeht, das lasse ich jetzt einfach einmal so stehen. Aber sei es, wie es sei, es ist ja gut, finde ich, dass sie sich zumindest mit einem Schritt dieser Assetklasse nähern.

Martin29:11

Deutsche Bank ähnlich: Die machen das Trading jetzt noch nicht möglich, aber sie bieten zumindest für institutionelle Investoren Bitcoin- und Ethereum-Custody an, und das soll sogar tatsächlich noch in 2026 passieren.

Martin29:24

Von den Deutschen jetzt kurz zu den Amerikanern: Morgan Stanley. Die haben im September bekannt gegeben, dass sie ein Krypto-Lab eröffnen. Das soll eine abgeschottete Umgebung sein, in der Kryptoanwendungen ausprobiert werden dürfen und mit denen experimentiert werden darf, bevor sie dann in den echten Systemen der Bank integriert werden. Und ein Thema, das sie da verstärkt angehen, sind DeFi Vaults. Das sind Smart Contracts, die automatisierte Veranlagungsstrategien möglich machen. Die Chefin dieses neuen Krypto-Labs sagt, das sei eine sehr spannende Thematik, aber die Technologie sei noch jung, und das sei etwas, was sie insbesondere in diesem Lab erforschen wollen.

Martin30:15

Was spannend ist, wenn man da rauszoomt, und wir haben über Morgan Stanley ja schon mehrfach berichtet, ist dieser Prozess, mit dem sich diese Großbank dieser neuen Assetklasse genähert hat. Sie waren tatsächlich, glaube ich, die erste amerikanische Großbank, die 2021 Bitcoin-Fonds kaufbar gemacht hat. Dann haben sie 2024, als die ETFs herausgekommen sind, gesagt: Ja, unsere vermögenden Kunden dürfen sie kaufen, aber nur die vermögenden. 2025 haben sie dann gesagt: Okay, vergesst die Beschränkungen, jeder darf sie kaufen, und wir empfehlen sogar eine Beimischung. 2026 haben sie dann die eigenen ETF-Produkte gelauncht, das haben wir berichtet, und jetzt gehen sie noch einen Schritt weiter und machen eben dieses Krypto-Lab, um selber auch Onchain-Produkte entwickeln zu können.

Anton31:09

Ja, und wir haben ja auch in Singapur mit jemandem gesprochen, der tatsächlich bei Morgan Stanley ab, glaube ich, 2020, 2021 in der Kryptoabteilung tätig war. Das waren damals drei Leute, er war einer von diesen dreien. Und was daraus jetzt in wenigen Jahren entstanden ist, ist ein eigenes Lab. Auch hier sieht man, glaube ich, ganz gut, wie diese Bank einfach mit der Zeit geht.

Martin31:33

Ja, ich höre es auch immer wieder, beziehungsweise wir haben es auch oft gehört: Dann kommen Kritiker, oder die, die von Krypto noch nicht so ganz überzeugt sind, und sagen, ja, BlackRock und Morgan Stanley wollen ja einfach nur Geld damit machen, wenn sie jetzt einen ETF anbieten. Und das ist viel zu oberflächlich und zu kurz gedacht. BlackRock hat nämlich 2016 eine eigene Abteilung gegründet, die beobachten diese Assetklasse und diese Technologie seit Jahren intensiv. Die springen nicht sofort rein, aber sie sehen im Endeffekt jetzt, dass die Technologie reif ist und der Markt reif ist, um verstärkt hineinzugehen. Deswegen sind diese News eigentlich von enormer Signalwirkung.

Martin32:17

Dann gehen wir zur nächsten Kategorie, so wie wir es immer einordnen, nämlich quasi Adoption der Technologie, also Anwendungen von Blockchain und Krypto. Hier hat eine Stellenanzeige für Aufsehen gesorgt. Man würde sich denken: Warum ist eine Stellenanzeige relevant?

Anton32:40

Ja, die Stellenanzeige ist sowohl von Google als auch von Apple gekommen, wo sie Kryptotalente und Leute mit Know-how zu Stablecoins und Krypto suchen. Diese Message hat ebenfalls deutliche Signalwirkung, weil man logischerweise davon ausgehen kann, dass Apple und Google hier an etwas arbeiten. Beides sind riesige Zahlungsdienstleister, mit Apple Pay und Google Pay. Wir werden also davon ausgehen können, dass früher oder später Stablecoins in Apple Pay und Google Pay integriert werden. Und das ist natürlich ein riesiger Move für die Stablecoin-Adoption.

Anton33:24

Eine weitere News im September, auch in Verbindung mit Stablecoins, war, dass Coinbase Stablecoin-Rails an amerikanische Community Banks bringt. Wie machen sie das konkret? Sie haben eine Partnerschaft mit Moov abgeschlossen, das ist ein Zahlungsdienstleister, der im Endeffekt über 1.000 Regionalbanken und Credit Unions angebunden hat. Mit dieser Partnerschaft sollen diese Regionalbanken nun Stablecoin-Payments entgegennehmen können, ohne dass sie selber irgendwo diese Assets angreifen müssen, Wallets brauchen und dergleichen. Das läuft alles über die bestehende Technologie, über die bestehende Software von Moov, mit eben ziemlich starkem Distributionscharakter für Coinbase.

Anton34:12

Dann bleiben wir in den USA, ganz ein anderes Thema: Ondo und BlackRock haben drei Token ausgegeben, wobei jeder Token eine Art fertigen Mischkorb für tokenisierte Aktien darstellen soll. Man kann sich das so vorstellen, dass man nicht ein ganzes Portfolio mit unterschiedlichen Aktien kauft, sondern einen Token, der das ganze Portfolio sozusagen darstellt. Und BlackRock stellt diese Baskets zusammen. Alle Positionen, Gewichtungen und auch Umschichtungen sind live auf der Blockchain einsehbar.

Anton34:49

Und das ist insofern interessant, als es damit eigentlich in die nächste Phase der Vermögensverwaltung auf der Blockchain geht. Man kann komplette Portfolios über einen Token abbilden. Wir haben ja, glaube ich, im letzten Review, im Sommer-Review, über Bitwise gesprochen, die Automated Token Portfolios darstellen, wo im Endeffekt jemand eine Art Musterportfolio in Token führt und das wie ein Nostro-Konto wirkt: Die auf der eigenen Wallet liegenden Token updaten sich, sobald sich dieses Musterportfolio verändert. Das nennt sich Automated Token Portfolios. Und das sind sicherlich zwei Trends, die uns in Zukunft immer mehr beschäftigen werden und, so wie ich es vorhin gesagt habe, wahrscheinlich einfach die Evolution des Asset Managements darstellen könnten, zumindest in der ersten Stufe.

Martin35:53

Ja. Und was wir auch immer wieder sagen: Da werden komplett neue Finanzprodukte geschaffen, von denen wir wahrscheinlich noch nicht einmal wissen, wie sie aussehen werden, weil unterschiedlichste Assetklassen dadurch teilweise liquide werden, sich dann aber auf einer gemeinsamen Schiene, in einem gemeinsamen Netzwerk bewegen und dadurch quasi miteinander sprechen oder kommunizieren können. Das passt ja eigentlich gut zu Aave, zum nächsten Beispiel.

Anton36:27

Genau. Und das ist eigentlich schon eine direkte Konsequenz aus dem zunehmend positiven regulatorischen Umfeld: Aave hat, ich glaube gemeinsam mit Coinbase, ermöglicht, dass tokenisierte Aktien, die über Coinbase tokenisiert werden, als Collateral, also als Pfand, auf Aave verwendet werden können. Vielleicht hier kurz zur Erinnerung: Aave ist quasi wie eine dezentrale Bank. Wir haben das letztes Jahr auch bei einem Event der CFA Society live präsentiert. Da kann man Crypto Assets als Pfand hinterlegen und gegen diese Crypto Assets einen Kredit aufnehmen, also einen klassischen Lombardkredit, nur dass hier kein Paperwork notwendig ist, sondern das voll automatisch und in Kleinstbeträgen funktioniert. Wir haben da, sage ich jetzt einmal, augenöffnend ein Bier in einem Restaurant bestellt, wo wir im Endeffekt mit einer Kreditkarte bezahlt haben und im Hintergrund live ein Lombardkredit gegen Crypto Assets aufgenommen wurde. Das zeigt einfach, wie enorm effizient das ist und was hier möglich ist. Aber es war bisher ausschließlich auf Crypto Assets limitiert. Und dieser Move jetzt von Aave mit Coinbase wird in Verbindung mit dieser ganzen Tokenisierungswelle dazu führen, dass das zukünftig auch mit Aktien, mit Anleihen, mit Fonds möglich ist. Aave hat hier quasi die ersten Schritte in diese Richtung eingeleitet.

Martin38:05

Zwei Punkte vielleicht von meiner Seite zu dieser ganzen Flut an News hinsichtlich Tokenisierung und Stablecoins. Ich glaube, es ist hier noch einmal notwendig für Hörer, die vielleicht eher neu in dem Thema sind: Warum ist das wichtig für das Potenzial der Assetklasse? Wie hängen Tokenisierung und Stablecoins eigentlich mit den Crypto Assets zusammen? Da ist einfach wichtig zu verstehen: Wenn ein tokenisiertes Asset oder ein Stablecoin den Besitzer wechselt, wenn also eine Transaktion durchgeführt wurde, dann findet das in den meisten Fällen, die wir hier berichten, auf einer öffentlichen Blockchain statt, die ohne das jeweilige native Krypto-Asset nicht funktionieren kann. Und für diese Transaktionen müssen Gebühren bezahlt werden, und diese Gebühren werden in der jeweiligen Kryptowährung beziehungsweise im jeweiligen Krypto-Asset bezahlt. Das heißt mit anderen Worten: Je mehr tokenisiert wird, je mehr Stablecoins kommen werden, desto mehr Transaktionen finden statt. Und das führt zu einer nativen Nachfrage nach den Assets, ohne dass es eine Investment-Intention dahinter benötigt, sondern rein durch die Verwendung der Blockchains.

Anton39:22

Ja, vielleicht ergänzend dazu kann man auch einfach sagen: Stablecoins bringen Geld auf die Blockchain, Tokenisierung bringt Assets jeglicher Natur auf die Blockchain. Und das steigert natürlich die Möglichkeiten, was damit tatsächlich alles gemacht werden kann. Und mehr Möglichkeiten, wenn sie sinnvoll sind, bedeuten mehr Aktivität. Mehr Aktivität bedeutet für die zugrunde liegenden Blockchains, wie du sagst, mehr Nutzernachfrage nach den nativen Assets der Blockchain. Und mehr Liquidität und mehr Assets bedeuten mehr Möglichkeiten für DeFi-Protokolle, Produkte zu bauen, und das wiederum bedeutet mehr Umsatz.

Anton40:04

Und das ist, wenn man rauszoomt, glaube ich die 1.000-Foot-View, die man da einnehmen kann und auch einnehmen sollte. Das braucht natürlich alles ein bisschen Zeit, aber man sieht jetzt sehr klar, wo die Richtung hingeht und wie stark dieses Momentum ist, das hier gerade aufgebaut wird. Das sind alles, noch einmal zur Einordnung, Headlines, das sind Ankündigungen. Das heißt noch nicht, dass all diese Projekte vollumfänglich umgesetzt und schon distribuiert wurden und ihre komplette Wirkung schon erbracht haben. Nein, das ist nicht so, das wird noch Zeit dauern.

Anton40:55

Aber es ist etwas, wo wir ganz klar wissen, wo es hingeht. Das ist genauso, wie wenn man ein Orderbuch für eine Neuemission sehen würde und wüsste, wer hier alles kaufen und bestellen wird. Das passiert. Der Umsatz wird erst später realisiert, die Aktivität wird erst später realisiert. An dem Punkt befinden wir uns jetzt. Und das ist, glaube ich, auch die Riesenchance, die man als Anleger jetzt hat, wenn man sich sinnvoll und mit dem notwendigen Know-how ausgestattet in Position bringt, genau an den Schnittstellen, die eben strukturelle Treiber sein werden für das, was jetzt kommen wird. Und das ist vielleicht auch eine ganz gute Überleitung zum nächsten Thema.

Martin41:40

Vielleicht darf ich nur einen Gedanken einwerfen, weil wir das im Zusammenhang mit Tokenisierung und Stablecoins auch immer wieder haben, vor allem in Europa beziehungsweise im Wesentlichen in der DACH-Region. Wenn Banken an Tokenisierung und Stablecoins arbeiten, dann hört man immer noch: Ja, Tokenisierung und Stablecoins, aber nicht Kryptospekulation, unter Anführungszeichen. Und das ist schon faszinierend, es wird noch immer versucht, sich irgendwie zu distanzieren. Das ist aber hauptsächlich in Europa so, in Amerika ist das überhaupt nicht der Fall. Und da muss man sich als Finanzhaus eigentlich die Frage stellen: Wenn man einer der Haupttreiber ist, der diese ganze nächste Welle mittels Tokenisierung und Stablecoins ermöglicht, sollte man sich dann nicht vielleicht auch überlegen, ob man an der Assetklasse, die man als Bank dadurch wertvoller macht, nicht auch ökonomisch partizipieren will? Also irgendwie scheint dieser Konnex noch nicht so ganz angekommen zu sein.

Die Hosts

Anton Werner
Co-Founder Fountainhead Digital
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Anton Werner begann seine Laufbahn nicht bei Digital Assets, doch jeder Schritt führte ihn dorthin.

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Martin Bechter
Co-Founder Fountainhead Digital
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Martin Bechter beschäftigt sich seit 2017 mit Krypto, anfangs skeptisch, heute überzeugt.

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